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                                     Trio infernal  




                                                               

22.8. 2010 Allgäu Panorama Marathon Ultra Trail


Im  Mai fragte man mich, ob ich nicht Lust hätte, an einem Staffellauf teilzunehmen . Warum nicht ,dachte ich  mir ,es  handelt sich doch “nur” um ein Teilstück des Allgäu Panorama Ultra Trails, der mit nicht weniger als 69,5 Kilometer daherkommt und  schlappe 3000 Höhenmeter als besondere Zutat zu bieten hat.

Also habe ich Karl Heinz sofort zugesagt ,ohne mir gross über das ganze Vorhaben Sorgen oder Gedanken zu machen. Das Ganze sollte mich nicht weiter jucken ,denn es handelt sich doch schlichtweg nur um ein Teilstück dieser ,so war mir auch damals schon bekannt, außerordentlich harten und extremen Strecke .
…..und für den Köln Marathon ist dieser Wettkampf doch die ideale Willensschule………!

Ich liess die Wochen und Monate vergehen, baute in mein 3 maliges Training im Mikrozyklus immer Montags einen Berglauf ein und alles war gut.

Ca. 4 Wochen  vor  dem Date  wagte ich mich zum ersten Mal auf die Site des Veranstalters um mich darüber zu informieren ,was dort in der Allgäuer Bergwelt alles auf mich warten würde.
So ermittelte ich mit Erstaunen ,dass es sich bei dem Mittelteil der Strecke ,den ich ja laufen sollte ,um das längste der gesamten Staffel handeln solle; sofort rief ich den schnellen  Karrli an ,der  die Einteilung gemacht hatte, und teilte ihm semientsetzt mit, dass es sich bei diesem Teilstück doch um das mit 29 Kilometern und 900 Höhenmetern  längste handeln würde, und  die genau solle ich ,der Laufrentner, in Angriff nehmen…….???!!

Das kann doch gar nicht sein!!

Zumal mir der Karrli ja versprochen hatte, dass es sich in diesem Abschnitt doch nur um ca. 20 Kilometer handeln würde und ich einen eher geruhsamen Tag einplanen könne.

Schnell wurde die Reihenfolge umgekrempelt und ich durfte mich jetzt als Schlussläufer auf einer nur noch 21 Kilometer langen  Strecke austoben ,die aber  deutlich mehr als 1000 Höhenmeter  als Zugabe aufwies und sich mit  einem eigenständigen Berglauf mit 900 Höhenmetern  zu Beginn des Abschnitts präsentierte.

Als Startläufer war Olli vorgesehen ,ein  Ultra-und Triathlonmann aus Sonthofen.

So kam am es zu der AOK AllgäuUltratrailstaffel, in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben dieser drei Teilnehmer: A  chim, O   lli, K   arl Heinz.




Da stand er nun auf dem Kalenderblatt, der 22.8.2010 und um punkt 7 Uhr machte sich Olli  von Sonthofen aus bei  wolkenlosem Wetter daran, die  ersten 19 Kilometer mit  über 1000 Höhenmetern, die sich aber relativ moderat verteilten,  jedoch das Überlaufen der gesamten Hörnergruppe erforderlich machten, anzulaufen.

Olli schaffte es, sofort mächtig Druck zu machen und es gelang ihm sich in der Spitzengruppe der Staffeln zu etablieren. Die Temperaturen waren um diese Zeit natürlich noch angenehm und sehr gut auch beim Laufen zu ertragen. Das sollte sich aber im Laufe des Events drastisch ändern.
In Grasgehren übergab Olli als  Dritter mit der Tuchfühlung zu denen ,die ganz vorn liefen , auf den schnellen Karrli, der sich sofort flott auf den weiteren Weg machte, aber dieser Weg ,der war jetzt  hart, sehr hart :  die Sonne hatte mittlerweile ihre 3 . und 4. Stufe  gezündet und machte sich jetzt immer mehr bemerkbar. Das  Terrain , welches Karl Heinz nun zu laufen hatte, war sehr schwer, lang und durch die Witterung zudem noch mehr  beschwerlich geworden. Ich habe schon gewusst, warum ich  diesen Part nicht laufen wollte. ;-)
Der  Lauf nimmt jetzt auch Kurs auf ein Hochmoor, das zu passieren ist. Hier jedoch kann man nicht mehr von “Laufen” reden, was dort vom Athleten abverlangt wird, ist Rutschen, Balancieren, Stehenbleiben ,weil man den Schuh nicht mehr aus einem Sumpfloch heraus bekommt und wieder Rutschen……..
Dazu gibt`s beträchtliche Anstiege zu überwinden ,die sich auf insgesamt 900 Höhenmeter summieren.
Das Alles kostete Kraft, das zermürbte und die Sonne lachte dazu immer schadenfroher, hinzu kam, dass Karl Heinz sich über 1,5 Kilometer verlief, weil ein Schild in Oberstdorf absichtlich von “Spassvögeln” entfernt wurde.

Auf Grund dieser widrigen Bedingungen übergab Karl Heinz leicht verspätet in der Erdinger Arena  in Oberstdorf ,in dem sonst die Schispringer ihr Bestes geben, an mich und endlich konnte auch ich mich am Berg so richtig austoben.


Als ich die Arena verliess, die schon längst in eine unerträgliche Hitze getaucht war, war es ca. 13:00 Uhr.
Nie zuvor begann ich einen Wettkampf in einer solchen Hitze. Das Thermometer bewegte sich jenseits der 30° Marke ,aber wir wollten das ja hier und heute machen, und heute war halt August…….

Sofort zeigte sich mein Teilstück fratzig und sehr steil, als es ein paar hundert Höhenmeter  auf den Wallraffweg hoch über Oberstdorf ging. Ich überholte wie ein Porsche auf der Autobahn das macht, handelte es sich doch bei den Überholten noch durchwegs um Athleten, die die gesamten  fast 70 Kilometer unter die Sohlen nahmen. Was für eine Herausforderung………!!!
Nach einer  flacheren “ Ruhepause” von einem Kilometer ging`s wieder steil bergauf  zur Gaisalpe auf 1300 Meter Höhe.
Ich fühlte mich verdammt gut ,gab was ich konnte und das war gar nicht mal so wenig, denn weiterhin wurde konsekutiv überholt und mit dabei war auch mittlerweile ein Staffelläufer.

Was jetzt folgte ,war das steilste, heisseste und unwegsamste, was ich je in einem Berglaufwettkampf erlebt habe :
Der Weg war steinig, steil,  wurde jetzt aber immer schmaler  und  war oftmals mit sperrigem Wurzelwerk übersät. Noch war es ein echter, wenn auch extremer Trail. Weiterhin überholte ich , der  Berg zeigte jedem einzelnen der  Ultras seine Grenzen, es wurde geflucht, geschwitzt und  gegangen.

Der Sonnenkopf stand steil über uns, eine 1730 Meter hohe Erhebung, die zur Schlüsselstelle des  gesamten Ultra Trails gehört, nicht nur weil der  Berg der höchste Punkt der Runde ist.

Immer steiler werdend schwang sich der nun sehr schmale Weg  aus einer schrägen Diagonale jetzt direkt in Falllinie dieses Gipfelbollwerks empor. Die ganze Sache war an Steilheit kaum noch zu überbieten, hier gingen jetzt alle, und auch ich war im Stützschritt unterwegs. Jetzt hieß es nur noch  den Gipfel des Sonnenkopfs zu erreichen, koste es was es wolle. Und  das kostete viel  , sehr viel, an Kraft, Schweiss und Willensstärke.

Hier lachte keiner mehr, hier wurde gearbeitet, geschoben und gestützt, es zählte nur noch eins:

“Erreiche den Sonnenkopf und du kannst 1000 Meter tief  und 10500 Meter  weit  nach Sonthofen schauen, und da wartet das Ziel am Erlebnisbad Wonnemar auf dich. Da willst du hin und wenn du den Gipfel erreicht hast, geht`s  10,5 Km nur noch bergab, das ist wie Urlaub, das ist relaxen und geniessen pur . Jetzt erst weisst du, warum du diese unbeschreiblichen  Strapazen auf dich nahmst; du siehst die Gipfel in der Runde ,die Rotspitze, den Grossen Daumen , das Nebelhorn, allesamt  berühmte 2000er ,

die gerade heute,  in einem für den Hochsommer  ungewöhnlich klaren  Licht,  um dich herumstehen, zum Greifen nahe, an Schönheit nicht zu überbieten….”

Eine nicht enden wollende Steigung  verlor sich nach vielen Minuten in eine Handvoll Menschen, die um ein Gipfelkreuz herumstanden. Es waren die Helfer von der Verpflegungsstation  und das Gipfelkreuz war der signifikante  und unumstössliche Beweis dafür ,dass ich mich auf dem Sonnenkopf befand.

Die Sicht haute mich um, ich trank ,immer wieder, mit den Wimpern ,aber auch mit dem Mund. Eine unbeschreiblich schöne Szenerie nahm mich für Sekunden gefangen ,nur schwer  konnte ich mich diesem Szenario entreissen ,um meinen Weg weiter zu laufen.

Die Sonnenkopfverpfleger machten Remmidemmi und brüllten jeden Einzelnen der grossen Helden hinauf auf diesen wichtigen Knackpunkt des ganzen Rennens.

Ich lief weiter ,wie in Trance, erholte mich, bekam Glück und Euphorie in meinen Kopf, es war so schön und ich hätte lange so weiter laufen können.
Dann wurde der Abstieg wieder steiler und man musste aufpassen, dass man nicht stürzte oder den Weg verfehlte, der manchmal  recht spärlich markiert war.
Auch ich machte dabei einen “Abstecher” von 300 oder 400 Metern, die ich zuviel lief, weil ich die Originallaufstrecke verliess.

Dann erreichte ich den Sonthofener Hof, hier gab`s noch einmal ein wenig Stärkung und einige lärmende Zuschauer.
 Weiter ging mein andauerndes Überholmanöver.
Irgendwann gab`s dann nur noch Asphalt, die Strasse wurde flach und es roch nach Ziel. Mit letzter Anstrengung überholte ich auch noch die 2. Frau im Gesamtclassment  nebst einer grösseren Gruppe, in der sie sich befand.

Dann sah ich das Wonnemar, ich lief noch einmal so schnell ich jetzt noch konnte, aber das war so schnell gar nicht und war überglücklich, als ich nach 2:23 Stunden nach meinem Start aus der Erdinger Arena in Oberstdorf, im Zielbogen verschwand.


Im Ganzen  hat sich die Teilnahme an diesem Wettkampf gelohnt, belohnt wurden unsere Bemühungen durch den 3. Platz der Männerstaffel und es gab einen sehr schönen  Pokal aus Stein, auf dem ein kunstschmiedener Läufer eingearbeitet war.

Wir übergaben den Pokal meiner Freundin Mareen, der ich diesen Lauf widme.

 

 

Sieg der Arroganz


Vancouver Marathon am 2.5. 2010


„....das habe ich noch nie gemacht,am helllichten Tag in der Marathonwoche Alkohol getrunken,und dann noch dieser wohl später einsetzende Jet leg mit allen seinen Unpässlichkeiten ,aber wenn ich so sehe ,wie Du das geniesst,sollte ich mal ne unrühmliche Ausnahme machen und Dir Gesellschaft beim Trinken leisten, wann fliegt man schon mal nach Vancouver,9000 Kilometer von der Heimat entfernt und hat eine so charmante Nachbarin neben sich.....?!“


Unsere Plastikgläser berührten sich und wir genossen den Roten in 11500 Metern Höhe.


„Aber Du weisst schon ,Jutta,ich habe jetzt ein unsäglich schlechtes Gewissen,und ob ich damit in den nächsten Tagen klar kommen werde,ist mehr als fraglich.Auch wenn die Zeit der Bestzeiten und die Jagd auf diese vorbei ist, die eine akribische Vorbereitungszeit erforderlich machten ,kann ich mich doch nicht einfach so einem solchen Lotterleben unterwerfen! Und der Marathon.......,ach was soll`s …..,ja bitte ,noch mal das Selbe bitte.......von dem Roten hier....“


Jutta kommt aus der Nähe von Mönchengladbach ,ist auch Marathonläuferin und der Meinung,dass man auch die Zeit vor einem Marathon,und seien es auch nur Tage davor, relaxend angehen und auch geniessen sollte,inclusive eines gepflegt kontrollierten Alkoholkonsums versteht sich .

Aber ich räume gerne ein,dass der Rotwein zu dem jetzt servierten Mahl recht bekömmlich und schmackhaft war ,und der 2. Becher schmeckte eigentlich noch besser als der erste.

 

                                                 ***



Der Morgen des 2. Mai ist kühl,windig und in den Medien prophezeite man erhebliche Niederschlagmengen mit recht frischen Temperaturen.

Noch war es trocken ,als wir uns mit der Marathongruppe von Ali Schneider auf den Weg zum Start am Pazific Boulevard , in unmittelbarer Nähe des BC-Stadiums ,der Austragungsstätte der Eröffnungsfeier der olympischen Winterspiele 2010 ,machten.

Wir alle,das waren ca. 12 aktive Marathonläuferinnen und -läufer ,waren guter Dinge und scherzten und flaxten bis wir nach knapp 2 Kilometern den Startbereich erreichten.

Nun löste sich die Gruppe auf und jeder machte nach seinem Gusto.

Als die Halbmarathonarathonläufer gestartet waren,präsentierte sich der Startbereich recht entleert und man hatte Platz und vor allem auch Ruhe für so alles mögliche,das zum Vorstartprozedere eines Marathons dazu gehört.


Kanadier sind cool ,besonnen und zielstrebig,das bekommt man überall zu spüren,ob auf dem Flughafen,in der Kneipe oder vor dem Start eines Marathons.


So war auch eine viertel Stunde vor dem Start um 7:15 Uhr so gut wie kein Läufer hinter der Startlinie zu sehen.


Nur ich drehte dort meine Bahnen und machte mich ein wenig in langsamstem Tempo warm,nachdem ich Jutta viel Glück gewünscht hatte ,die jedoch noch nicht hinaus wollte aus dem Messezelt,denn genau jetzt hatte es begonnen zu regnen.

Ich schaute auf das BC Stadium 50 Meter entfernt,in dem vor Kurzem noch die Olympischen Spiele eröffnet wurden,ein herrlicher Anblick.Ich mag nun mal solche Orte ,die voll von historischer Bedeutung sind .

Und da kamen sie,meine Mitstreiter,10 Minuten vor dem Start schob sich das Heer der Läufer quasi

wie aus dem Nichts heran an die Startlinie.

Ich gesellte mich dazu,stand ganz vorn in der 2.oder 3. Startreihe und jetzt ging alles ganz schnell:

Der Moderator redete schnell und ununterbrochen wie Dieter Thomas Heck und dann ,nach dem Ertönen der kanadischen Nationalhymne ,wurde auch schon der Countdown ab 5 zurück gezählt.


Meine Güte,wie oft hatte ich diesen Moment vor meinem geistigen Auge schon gesehen,und es war jetzt in der Tat so,dass sich das hier jetzt dem Ganzen vorher in meinem Kopf sehr ähnelte.Ich erkannte vieles wieder und war hier und jetzt eigentlich zu Hause.


Und los geht`s !!!

 

                                                       ***



„Schau mal Jutta,da gibt`s auch noch andere Getränke als dieser Rotwein hier......,aber wir Marathonläufer müssen ja mit solchem Konsum vorsichtig sein,da bleibe ich nun aber bei.“


„Warum denn?“ erwiderte sie,“Der Start ist noch weit entfernt und man lebt doch nur einmal und da wir ja beide nicht mehr so ambitioniert laufen,sollte man die Gunst der Stunde nutzen und den Flug jetzt ganz einfach nur geniessen. Also,ich trinke jetzt einen Weinbrand,du auch?!“

Hm,würg,ja was sollte ich denn machen??!! Geniessen wollte ich ja eigentlich auch,und warum sollte ich mir das Ganze durch ein paar Gramm konsumierten Alkohol vermiesen lassen?!

„Hallo! Können wir 2 Gläser von dem da bekommen.....!??“fragte ich,wohl leicht errötend, die Stewardess. Und schnell standen 2 Becher Weinbrand auf den heruntergeklappten Tischlein vor uns.


Zack und weg!


„Oh,das ging aber schnell,ich brauche aber noch die eine oder andere Minute bis ich diese Ration vernichtet habe“ ,teilte ich Jutta mit.Aber solange liess ich nun auch nicht auf mich warten und eigentlich zeitlich lückenlos stand jetzt schon wieder das nächste Glas Rotwein vor uns.Wer die nun bestellt oder mitgebracht hatte,wusste keiner mehr so recht ,aber das ist ja auch wohl egal.

Als ich beim Bestellen der nächsten Runde schon etwas scheu die Stewardess darauf aufmerksam machte,dass das hier eigentlich ein Einzelfall ist und vor einem Marathonlauf ja wohl eher unangebracht sei,erwiderte sie : „Schaun sie die mal da hinten an,die sind doch auch Marathonläufer und trinken ja wohl sogar Gin Tonic. Und einer alten Marathonläuferin wird doch so eine Pfütze wohl kaum schaden,oder ?!“ lächelte sie Jutta zu.

Jutta war ob dieser Äusserung leicht pikiert und stellte vor mir klar,dass sie ja nun alles andere als alt sei.

Der von der Stewardess erwähnte Gin Tonic entwich nicht aus unseren Köpfen und so versäumten wir es nicht,als krönende Abschluss dieser Aerozechtour uns dieses durchaus gepflegte Getränk zu genehmigen.

Jetzt hatten wir aber nun wirklich genug,der Alkohol machte sich schon etwas bemerkbar und dauernde Waschraumgänge von uns sprachen eine eigene, verräterische Sprache.

Während dieser Aktivitäten verging die Zeit im wahrsten Sinne wie im Fluge und wir erreichten die traumhafte Bucht mit Vancouver und Vancouver Island.


Und da waren wir: In Kanada,in Vancouver und fern der Heimat.



                                                     ***


Zu Beginn ist der Kurs verwinkelt und man sollte schon zusehen ,dass man in einer guten

Startposition ins Rennen geht.

Ich gebe Gas, auch meine Konkurrenten um mich herum sind wohl nicht zum spielen hier und drücken gewaltig auf die Tube.

Im ersten Kilometer stehen auch noch einiges Zuschauer,das jedoch sollte sich über den grössten Teil des Rennens drastisch ändern.Aber wo ist der erste Kilometer nur?? Bin ich schon durch,habe ich im Eifer,ja im Übereifer , einfach das Schild übersehen? Wie schnell ich jetzt wohl laufe? Genau weiss ich das nicht,aber ich spüre ,dass das Tempo sehr hoch ist,dennoch überholen mich immer noch andere Läufer ,die, ja doch, in Shorts unterwegs sind. Auch durch dieses Outfit werde ich dazu angehalten weiter das Tempo hochzuhalten,denn wenn man sowas um sich herum sieht,kann man nicht unbedingt sicher sein,die richtige Geschwindigkeit gewählt zu haben: So laufen in Deutschland im Regelfalle Freizeitläufer herum,die mit Marathonlaufen so wenig zu tuen haben, wie ich mit einem Weltklassenathleten.


Jetzt geht es in die Südstadt ,der False Creek befindet sich rechts von uns und ich sehe weiterhin kein Kilometerschild.Sicherheitshalber ,oder auch nicht,halte ich das wohl angeschlagene Tempo hoch und werde auch weiterhin von Shorties überholt. Das stört und nervt mich.Wenn man mich schon überholt,dann sollte schliesslich auch das Outfit der Überholenden standesgemäss und passend sein.

Jetzt bin ich 16 Minuten unterwegs und mir wird klar,dass ich auch das 3. Kilometerschild übersehen haben muss.

Was ist nur los? Was soll ich machen,einfach mal Tempo rausnehmen ,dass mich noch mehr überholen ,oder weiterhin das möglicherweise flotte Tempo mitgehen,mit dem grossen Risiko des Überpacens.

Aber mir geht es gut,verdammt gut und ich entschliesse mich zu der Risikovariante.


Endlich sehe ich nach gut 18 Minuten mein erstes Kilometerschild mit der „4“ darauf.Eigentlich hätte ich jetzt erstmal eine Minute Pause machen können,ja ,fast müssen,aber ich bin so frei: ich hämmere den 4,5 er -Schnitt weiter auf den schlechten Vancouver Asphalt,ich laufe wie im Rausch.Eigentlich will ich nicht wissen,obwohl ich es genau weiss,was das,würde ich dieses Tempo halten können, für eine Endzeit werden würde;nämlich eine schlappe 3:10 !

mit einem 3 maligen Wochentraining ne 3:10 !? Neinein,das kann doch wohl auch ein Toprun nicht.Oder doch!? Sollte ich alle Trainingslehren ad absurdum stellen, um mich in einer Aufwand-Ertrag Tabelle auf Platz 1 zu heben?!

Das Geläuf präsentiert sich jetzt alles andere als flach,es gibt ständig Steigungen und als Ausgleich dazu natürlich auch Gefällepassagen: Das überrascht mich,weil ich sowas nicht in meinem geistigen Plan habe,aber nun muss ich doch einen Gang herausnehmen.Mensch ,du Achim,was machst du? Siehst du nicht ,wie „steil“ das Gelände ist und du rennst einfach die ersten 10 Kilometer in 45 Minuten an?! Was soll das? Bist wohl schon lange nicht mehr gegangen bei Kilometer 35,wie?!


Ja doch,mir geht`s gut,red du nur ,du Gewissen,ich bin jetzt in meinem Himmel und der ist so hoch und schön blau,was soll mir also passieren,ne 3:20 werde ich wohl auch noch mit Einbruch zustande bringen ,und jetzt lass mich in Ruhe verdammt, lasse mich laufen ,lass mich pacen und lass mich fliegen ,denn ich bin hier der Boss und nicht du !


Der Regen macht die Strassen unangenehm nass,überzieht sie mit Pfützen und hält wohl auch die meisten Zuschauer davon ab,an die Strecke zu kommen und uns gebührend zu unterstützen.

Aber der Langstreckenläufer ist nun mal sprichwörtlich einsam ,und das bekommt man genau hier in Vancouver von nicht vorhandenen Zuschauern eindrucksvoll bestätigt.


Es geht nun in den östlichen Teil der Stadt und hier erwartet uns alle eine langgezogene Steigung,die ich aber auf meinem Marathonspeiseplan hatte,ich weiss ,was mir hier blüht und ich fresse mit meinen Laufschuhen den Asphalt.

„Oh,really good job,you`re looking good, guy!“ ruft mir ein Zuschauer zu und das macht mich hier zum Bergläufer.Ich will es allen zeigen,denn hier weiss man es vielleicht noch nicht: ich war ja einmal ein passabler Bergläufer.

Vollkommen problemlos laufe ich am 15 Kilometerschild vorbei und nähere mich nun dem berühmten Stanley Park.

Die Heftigkeit des Regens nimmt weiter zu,jeder ist jetzt total durchnässt ,auch auch der Wind gesellt sich zu dieser unangenehmen Runde und versucht mit meinem Laufdress zu „spielen“.

Eigentlich habe ich mir ja,nach diesen ganzen Hitzeschlachten der vergangenen Jahre solche Bedingungen gewünscht.Aber nicht solche: Der Wind ist zu heftig,der Regen ist zu stark !

Aber mit uns Marathonläufern ist es doch wie mit den Landwirten : Wann sind die schon mal mit dem Wetter zufrieden?!

Alles ist jetzt klamm,besonders die Hände und die Fingerkuppen machen mir, hervorgerufen durch diese Kälte und Nässe ,zu schaffen.

Mein Tempo ist immer noch hoch und so erreiche ich nach ca. 1:36:30 Stunden den Halfway Point im heute unwirtlichen Stanley Park.

Aber was ist das,das kann doch wirklich nicht wahr sein,ich muss mein Tempo drosseln . …...


                                                ***



Nach dem Auschecken erwartete uns Ali Schneider ,der Marathonreiseveranstalter persönlich in der Fulghafenhalle .

Und wir tauchten ein in diese einzigartige Stadt mit dem kühlmondänen Charme des südlichenwestlichen Kanada.

Es sind die so oft halboval geschnitten Wolkenkratzer,die den Besucher in ihren Bann ziehen,die durchaus Filmkulissenreife haben,nicht zuletzt auch deshalb ist Vancouver der drittwichtigste Standort der Filmindustrie , nach New York und Los Angeles ,in Nordamerika.

Und es ist die unvergleichliche urwüchsige Natur ,die diese Millionenstadt umgibt,wie kaum eine andere auf der ganzen Welt.....

Diese junge Stadt wurde in den 1860ern gegründet,ist also noch sehr neu,aber das tut ihrer Anziehungskraft auf den Besucher keinen Abbruch,ganz im Gegenteil : Überall strahlt einem Frische,Glanz und viel Neues entgegen,was aber nicht heissen soll,dass die Stadt in British Columbia keine Historie hätte.

Wer hier herkommt,ist begeistert ,wird freundlich aufgenommen und wird neugierig auf alle Sehenswürdigkeiten dieses Kulturarchipels .


In den Tagen darauf standen etliche Ausflüge auf dem Programm,unter anderem ging es auf die vorgelagerte Insel Vancouver Island. Schon die Überfahrt mit einem riesigen Fährschiff war das Geld wert . Bei der Überfahrt wurden wir von Robben begleitet,die ich natürlich zuerst belustigenderweise mit Delfinen verwechselte ,die Fahrt ging durch die Straight of Georgia, hindurch Fjorde,die beidseitig mit reichhaltiger Bewaldung und fast unberührter Natur aufwarteten.

Die Bewohner dort sind ,ausser den paar Menschen, Schwarzbären, Wölfe, Bergziegen,Elche ,Stinktiere,Koyoten,Pumas,sowie das sehr seltene Vancouver Murmeltier. Zu Wasser fühlt sich der Wal hier heimisch.


In Victoria,der Hauptstadt dieser 450 Km langen und 100 Km breiten Insel verweilten wir länger,hier zogen wir durch grösstenteils historische Geschäfte und Pups.Der Einfluss der Kolonialmacht Grossbritannien ist hier allgegenwärtig ,ob architektonisch oder auch von der Lebensart der Menschen ,die hier leben.Überall trifft man auf britisches Ambiente der Jahrhundertwende. Das ist genau das ganz spezielle Flair ,das ich ganz persönlich mag.


So vergingen die Tage in und um Vancouver schnell und wer ehrlich war ,konnte sich dem

Liebreiz,den diese Region verinnerlicht,nicht entziehen.


Eigentlich waren die 6 Tage viel zu wenig,um alles hier Sehenswerte erkundet zu haben.Aber das Leben hier ist sehr teuer,und ausserdem musste man ja auch selbst wieder ans Brötchenverdienen denken.

Also hiess es schon bald wieder Abschied nehmen von der Stadt der Superlative,von Vancouver ,der Stadt meiner Träume seit Monaten und vor uns stand ein langer Flug zurück in die Heimat.


                                                ***


„So ein Mist,verdammter, schon wieder muss ich weit ausholen und auch wieder das Tempo rausnehmen.Und gerade jetzt,wo sich die gelaufenen Kilometer spürbar machen“sind meine Gedanken ,kurz nach dem kleinen Leuchtturm am Rande des Stanley Parks.

“Hallooooo,can I passing by??!! Hi Ladies,thanks a lot !“ bedanke ich mich ,wohl in stümperhaftem Englisch,für den Platz der mir jetzt wieder zu Teil wird und zuvor noch von 4 nebeneinander her laufenden Runninggirls versperrt war,die sich angeregt bei ihrem sportlichen Tun unterhielten und die wohl schon um 6 Uhr gestartet waren; die Startzeit war für Walker und alle Läufer ,die eine über 6 Stundenvorgabe hatten ,angedacht.

Auch in der Folgezeit begegnet man ähnlichen Laufformationen gruppierter Läufer und die Überholmanöver dieser Sportler kostet mich jetzt immer mehr Kraft. Das Ganze ist mir unangenehm und lästig,zumal mir der Wind den rüde fallenden Regen zum Teil fast waagerecht ins Gesicht und andere Körperregionen schmeisst.

Ich verlieren an Kraft,an Geschwindigkeit. Ich laufe nicht mehr leicht, muss zurückschalten und merke immer mehr ,dass es zum Ende hin auch zu einem „Treibstoffproblem“ für mich kommen könnte.

Habe ich wirklich so überpaced,dass ich jetzt schon ,hier bei Kilometer 25 eine Teilrechnung für meine Ausgelassenheit zu Beginn serviert bekomme?!

Solche Gedankengänge sind kurz und ich lasse sie nicht ernsthaft oder gar zeitlich länger zu,denn ich bin nach wie vor davon überzeugt,auch mit einem möglicherweise zum Schluss recht leeren Glykogentank hier einen Marathon zu finishen,der mich mit der erreichten Endzeit zufriedenstellen wird.


Über die Beach Avenue führt uns der Weg wieder zurück,aus dem Stanley Park heraus,in die Innenstadt von Vancouver.

Kurz vor Kilometer 28 kommt er , mein auserkorener Knackpunkt des Rennens vor dem Wettkampf: die Burrard Bridge, die sich mit einem 100 Fuss Anstieg gut gegen uns Läufer zu verteidigen weiss, und sollte das noch nicht reichen ,wartet sie auch gerne darüber hinaus mit einer steifen Brise,die vom Pazifik hierhin frei Haus geschickt wird,auf.

Hier bekomme ich Respekt ,und leider nur hier, laufe ehrfürchtig die ersten Höhenmeter dieses Bollwerkes aus Stahl und Stein an,noch gelingt es mir Druck zu machen,ich überhole,fühle mich immer noch stark ,obwohl das Tempo jetzt nur noch am 5er oder etwas darunter liegt.

Der Wind ist hier überraschend schwach und ich sehe zu,dass ich diesen Koloss schnellstens wieder verlasse, um jetzt über eine recht lange gerade Passage ,die uns zum Jericho Beach im Westteil der Stadt führt,zum Wendepunkt bei Kilometer 33 zu kommen,der uns alle wieder zurück und ein letztes Mal über diese erwähnte Brücke führen soll .


Jetzt bei Kilometer 30 gestehe ich mir zum ersten Mal ein,dass es heute sehr schwer werden wird für mich.Einen 5er-Schnitt kann ich nur noch halten,wenn ich mich wirklich voll konzentriere und ans Limit gehe.Natürlich ist hier mit einer 2:19er Zwischenzeit noch viel möglich ,was meine anvisierte Zielzeit angeht,aber das ist wohl nur noch Theorie.

3:20 !? Endgültig passe?!

Ich muss herunter von meinem hohen Ross,ich werde absteigen müssen,ob ich das nun will oder nicht.Genau das ist `“Marathon“,“gewonnen“ hast du erst nach der Ziellinie und keinen Meter davor.

Das macht den Reiz dieser Sportart für mich aus,dieses Ungewisse,dieses sich immer Verändernde,die Dramen ,die sich bei all dem abspielen können,die Tränen des Glücks, die Tränen der Pein.Geschenkt wird dir in einem Marthonrennen ,das du an der Grenze des für dich Machbaren, was die anvisierte Zeit angeht,nie etwas,auch wenn du glaubst ,dass es manchmal so ist. Das ist ein Trugbild ,eine Fata Morgana des Asphalts,die dich zu hoher Pace verführt,um dich dich dann gnadenlos zu einem Häuflein sportlichen Elend verkommen zu lassen,wenn für dich längst alles zu spät ist.

Oder auch umgekehrt: Dir geht`s gut in einem Teil eines Rennens,in dem du vorher damit rechnetest,einen Einbruch zu bekommen,kannst überraschenderweise doch noch „fliegen“ und bist sodann im 7. Himmel zum Quadrat.

Am Wendepunkt dieser Passage bei Kilometer 33 bin ich fertig,ich kann zwar noch laufen,spüre aber überdeutlich wie der Energieverlust in und an mir zehrt.Die Streckenstruktur präsentiert sich hier mit einem ständigen Auf und Ab.Die jeweiligen Anstiege saugen die letzte,aber auch die allerletzte Energie aus mir heraus.

Was geht noch ,was nicht ?! Was habe ich nur gemacht?! Wie konnte ich nur auf 3:10 anlaufen?!

Fragen und Selbstvorwürfe bestimmen ab jetzt meine Gedankengänge.

An den Verpflegungsstellen lasse ich mir Zeit,trinke,atme,komme kaum nach damit.....,und dann wieder : Auf weiter!

„Du musst da durch,du hast dir das eingebrockt und jetzt sie zu wie du den Pazifik Boulevard erreichen wirst,DEIN grosses Ziel deiner Träume.“

Aber genau das sollte jetzt,wo eigentlich alles angerichtet ist,zu einem Alptraum verkommen.Am Schild mit der 36 darauf gehe ich zum ersten Mal,das halte ich hier noch für sportlich legitim,wenn mir diese Ruhepause nur wieder genügend Kraft für ein erhofftes Comeback an der Burrard Bridge geben könnte.Aber die ist eigentlich noch weit entfernt,auch wenn sie nah ist .

Wieder komme ich nach einer Minute Gehpause in einen Laufschritt hinein:ich trabe weiter, eine ungeheure Leere breitet sich im Kopf aus,Zuschauer die mich anfeuern werden nicht mehr wahr genommen und von mir ignoriert , Zeiten,Sekunden und Minuten spielen keine Rolle mehr, ich habe nur noch das Eine vor Augen : Das Ziel!!!

Das möchte ich erreichen,auch wenn zum jetzt zum 2. Mal der Brückenaufstieg auf die Burrard Bridge folgt und bei diesem Male noch einen grösseren Höhenunterschied aufweist als beim ersten.

Und zu allem Überfluss meldet sich jetzt auch die lädierte, rechte Wade .

„Supertoll ! Herzlich willkommen in der Reihe meiner Unpässlichenkeiten ,liebe Wade ! !! Mach es Dir bequem im Heer der Schmerzen....“ denke ich ironisch verzweifelt.


Jetzt habe ich endgültig den Laufbetrieb grösstenteils eingestellt, wieder gehe ich,durchlaufen kann ich längst nicht mehr,vielleicht sind es 200 oder 300 Meter,die meinen Körper entlasten und teilregenerieren sollen.Auf halber Höhe versuche ich es wieder mit Laufen,meine Güte,fällt das nun schwer.

Jawohl,ich habe einen klassischen Hammermann,den ich so noch nie erleben durfte,und jetzt weiss ich,dass ich dabei bisher nichts verpasst habe.

„Vielleicht war es ja doch das Gelage im Flieger ,oder die ganze Ernährungsumstellung hier in der Fremde.Ich habe ja immer und oft gesagt,dass ich mich nicht damit anfreunden kann ,in der Marathonwoche am helllichten Tage Alkohol zu trinken,aber es war ja auch........“

Durch solche Überlegungen versuche ich mir jetzt Klarheit über meinen Einbruch zu verschaffen,oder aber einfach nur vom Wesentlichen abzulenken,eben ,dass ich zu schnell anlief.


Der Anstieg auf die Brücke liegt hinter mir, so ein Mistding,im Abstieg laufe ich an der „40“ vorbei,wieder muss die Zeit für eine Verschnaufpause gegönnt sein,denn mein Kreislauf zeigt sich

mittlerweile auch überfordert, mir ist leicht schwindelig.Was ich nun gar nicht möchte ist,im Zickzack ins Ziel zu laufen,also lasse ich mir weiterhin viel Zeit ,die für mich keine Rolle mehr spielt, und mir ist nun auch klar,dass es nur noch gelten kann,eine 3:30 er Zeit abzusichern.Dazu sollte ich aber nicht kollabieren oder mit anderen Körperleistungsnullnummern konfrontiert werden.

Die Zahl derer ,die mich jetzt überholen ist erheblich,es sind wohl weit über hundert.


Schon länger befinde ich mich auf dem Pazific Boulevard,meiner (Alb)Traumstrasse in Vancouver,immer wieder bestimmen Gehpausen meinen „Laufstil“, auch noch kurz vor dem 42. Kilometer,direkt neben dem BC Stadium,die Zuschauer klatschen ,schreien und machen hier in Fünferreihen mächtig viel Dampf,und was ist mit mir?! Ich könnte heulen !

Nochmal reisse ich mich zusammen,checke die Watch und kann nach einer schwerfälliger Rechnerei erkennen,dass ich das Ziel noch in einer 3:26 erreichen kann.

Jetzt werde ich noch ein letztes Mal zum Kämpfer, das Laufen habe ich bis hier ja längst verlernt und aufgegeben , und sprinte die letzten 195 Meter ins Ziel des Vancouver Marathons 2010.


Demonstrativ gehe ich die letzten 5 oder 10 Meter ins Ziel,ich will mir durch diese Geste klarmachen,dass ich hier nicht so richtig gelaufen bin und das Ganze nicht mehr ernst nehme.




Schade ! Aber trotzdem ist die erreichte Zeit wohl gar nicht mal so schlecht für mich gewesen, wenn man die einhergehenden und erläuterten Umstände mitberücksichtigt.

Eine 3:26 reichte für mich in der M50 immerhin zu einem 19. Platz von 220 Teilnehmern.Da hatte ich zwar auch mehr erwartet,denn gewisse Teilambitionen auf Zeiten und Platzierungen lodern immer noch in mir, auch wenn ich in den letzten Jahren eher ein Marathontourist und wohl weniger Marathonläufer geworden bin.


Na dann, Prost !

;-)


Mit sportlichen Grüssen ,


Achim

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Der Wüstenmarathon

 

  Berlin,am 20.9.2009  

Nein!

Das kannst du nicht machen, irgendwann überhaupt nicht mehr Marathon zu laufen und auf Nachfrage ,wie es denn so in Berlin gelaufen wäre damals ,nur schlicht antworten zu können:  Das kann ich nicht sagen, ich war nie in Berlin, ich bin dort nie gelaufen!

Anfang Mai kam der Entschluss: Ich muss dahin ,in unsere blühende ,pulsierende Hauptstadt, ich werde mir auch einen teilnehmerübervollen Marathon wie diesen in meine Lauftagebücher verewigend  schreiben, weil ich ja irgendwann sagen will: “Jawoll, ich war in Berlin! “ 

Am Abend des 18.9. erreichte ich Pankow, dem ,durch einen Song von Udo Lindenberg zu Weltruhm gekommenen , Berliner Vorort im Osten der Stadt. Hier logierte ich im Akademiehotel ,in dem sich bereits etliche Andere zukünftige Mitstreiter  befanden ,weil sie sich hier auch  einbuchten.

Der nächste Tag begrüsst mich und uns mit viel Sonne und meine Hauptaufgabe bestand nun darin ,einer gewissen berühmteren Berliner Sehenswürdigkeit nicht zu nahe zu kommen.

Die Topografie des Stadtkerns war mir nicht eindeutig bekannt, nie zuvor  hielt ich mich in ihm auf. Somit musste ich immer wieder auf der Hut sein, ihm nicht zu nahe zu kommen, oder schlimmer noch, es gar zu erblicken. Also hiess es ,Plätze und andere berühmte Bauwerke ,um dieses Eine herum, auf einem Stadtplan ausfindig zu machen, um bei einer etwaigen zu intensiven Annäherung gleich vorgewarnt zu sein und einen Richtungswechsel alsdann vorzunehmen  zu können, um es außer Sichtweite zu halten.

Und es war ja so: Am Tag vor dem Marathon musste ich durch die Innenstadt, in der es sich ja befindet,  um auf den stillgelegten Flughafen Tempelhof zu gelangen, in dem  die Startunterlagen im Rahmen der Marathonmesse  für alle Teilnehmer erhältlich und deponiert waren.

So fuhr ich mit der S-Bahn von Pankow zur Friedrichstrasse ,die sage und schreibe, trotz erheblicher technischer Schwierigkeiten , dreimal in der Stunde ihren Dienst verrichtete….ähm , nein, nicht die Strasse, die Bahn natürlich….. Hier musste ich umsteigen, und zwar in die U-Bahn Linie 6. Schnell huschte ich über die Strasse, die ich kurz benutzen musste, um dann erleichtert wieder in die Anlage der U-Bahn abzutauchen, die natürlich, wie der Name ja schon vermuten lässt , Unter Tage lag und somit sowieso keinen Blick in die nähere Umgebung gestattete.

Wie schön! Ich lehnte  mich zurück  auf der  Fahrt hindurch unter Berlin ; einmal hin , und dann wieder ,mit der Startertüte in der Hand, zurück nach Pankow.  

Die Nacht ist zum Schlafen da und die läutete ich gegen 21:45 Uhr ein und siehe da,es sollte mir auch wirklich gelingen diese Glockenstränge sofort ziehen zu können: Ich schlief unmittelbar ein, wachte um 2 noch einmal kurz auf ,um dann bis zum Weckerläuten um 4:45 Uhr  durchschlafen zu können.

 

Sofort springe ich aus dem Bett, mein nagelneues Trikot wartet auf dem Stuhl nebenan darauf,   von mir übergezogen zu werden, die  aufgebrachte Startnummer erinnert mich jetzt eindeutig und unumkehrlich daran, dass ich gleich einen Marathon laufen werde. Ich fühle mich gut, ziehe die Vorhänge zurück und starre ins graue Schwarz. Es wird der Tag, den die Wetterleute vorhersagten, das ist gewiss. Die Sterne, noch funkeln sie ,und es ist jetzt schon eigentlich recht mild für diese Jahreszeit und zu dieser frühen Stunde.

Im Halbdunkel verlasse ich das Hotel , schlürfe über staubige Strassen, die von vertrockneten Bäumen gesäumt werden, vorbei an Parks, deren Grün längst zu Grau verkommen ist und  in denen abgetretene Wiesen nicht wirklich einladend wirken, um so im Gesamten in  einer eigenartigen Tristesse zu versinken.

Das ist Berlin, das Berlin der letzten Jahrzehnte, zu trocken ,zu warm, zu grau. Diese Naturkomposition vereinigt sich für mich wie das durchschreiten einer Oase, einer Oase im nördlichen Afrika mit einem im Winterhalbjahr mittlerweile ähnlichen Klima, nur ,dank künstlicher Bewässerung, sieht`s dort  ein wenig grüner aus als hier.
Klimatologen prognostizieren  für Berlin in wenigen Jahrzehnten  Temperaturen, die heutzutage für Süditalien gelten; ich glaube, da haben sie recht; wir befinden uns hier auf dem Weg dorthin, in die Wüste- in Berlin sieht man das überall.

Aus dem Schwarz wurde grau , als ich die U-Bahn Station erreiche. Ich fahre durch bis fast zum Startbereich.


Ich bin da ,wo ich hinwollte: Ich befinde mich  an der Strasse des 17. Juni.

Die Musik bollert, Menschen schnellen aufgeregt umher, der Duft von Allgäuer Latschenkiefer und Lavit liegt in der Luft und der Himmel ist so blau.
Ich stelle mich  in den Startblock C, ganz dicht zu den ganz schnellen Kenianern, Äthiopiern…..

Nun muss ich noch ein einziges Mal aufpassen ,ich darf  ,wenn ich mich umdrehe nicht zu gross machen und geradeaus nach hinten schauen, nicht das ích es doch noch so kurz vor dem Start zu sehen bekomme. Ich will es nicht sehen, nein, noch nicht.  Aber die Zeit wird kommen und dann werde ich es in mich aufnehmen können und in ihm versinken werden. Ich werde ab sofort alles dafür tun, dass es genauso sein wird.

Jogi Löw , unser Fussballbundestrainer ,der den Startschuss geben wird, faselt etwas von komplexerer Sportart Fussball im Vergleich zum Laufsport. Hat der Mann ne Ahnung vom Laufsport…..!? Nein ! Tze. Er solle halt beim Fussball bleiben……

Er könnte nun endlich schiessen und nicht mehr reden , ich hätte, wie die meisten Anderen auch, nichts dagegen.

Genau das tut er jetzt auch, um 9 Uhr,  gemeinsam mit Berlins Oberbürgermeister Wowereit , um das  Rennen zu starten und alle  40000 und ein paar mehr geben sofort ihr Bestes und lassen den Asphalt auf der Strasse des 17.6. glühen und erzittern.

Eine rasante Fahrt führt uns nach einigen hundert Metern vorbei an der Goldelse, ich kann leider nicht zu ihr aufblicken ,wie ich das wohl auch gern getan hätte, denn ich bin so damit beschäftigt ,hier eine eigene Spur zu finden und nicht von irgendwelchen Mitläufern gekreuzt oder überrannt zu werden, dass ich mich vollend auf das konzentrieren muss, was sich unter meinen Fusssohlen  befindet, nämlich dem Asphalt.
Ich fühle mich wahrlich gut, die Bedingungen sind zur Zeit vom Feinsten, es weht kein Wind und die Temperatur dürfte um die 13° liegen.
Nach 3 Kilometern sehe ich erst das erste Kilometerschild, die ersten beiden muss ich einfach übersehen haben. Ein schneller Blick zur Uhr zeigt mir deutlich ,dass der Toprun heute ganz nett flott unterwegs ist: 13:37 Minuten !
Das geht so nicht ! Für meine angestrebte 3:20  ist das deutlich zu schnell und gerade bei diesem Wetter. Ich weiss, was uns später alle erwarten wird, ich weiss ,wie die Sonne uns auf den bis dahin  heissen Asphalt niederdrücken wird; denen ,die hier zu schnell beginnen wird sie ihre ganze Macht der vorhergesagten 25° C zu spüren geben- gnadenlos, marathonuntauglich und kompromisslos afrikanisch heiß.

Sofort  drossle  ich mein Arbeitstempo und laufe gemütlich ,aber dennoch mit gutem Zug durch Moabit im Norden der Stadt, wo ich den 5. Kilometer nach 22:51 Minuten erreiche. Auch das ist noch alles schneller ,als es von mir geplant war.
Es gilt ,sich jetzt zusammen zu nehmen und das Tempo weiter zu drücken, ansonsten, ich weiss es, gibt`s am Ende Schwierigkeiten ,und die will ich eigentlich gar nicht haben.
Irgendwie scheine ich mich und das Ganze hier heute nicht so richtig ernst zu nehmen, auch den 10. Kilometer erreiche schon nach 46:36 Minuten. Das ist über eine Minute schneller als geplant.
Was ist mit mir los?! Ist es etwa das neue Lauftrickot ,das mit der mit der Sonne einen Wettbewerb

veranstaltet, wer das beste Gelb heute zum besten gibt?  Noch mal ,ich muss mich beherrschen, will ich nicht nach 30 Kilometern für das, was ich jetzt hier mache, büssen müssen.

Ich bremse also weiter, so kommt es mir zumindest vor, aber es ist einfach so, ich fühle mich zu gut, und ich möchte die Gunst der Stunde nutzen, zudem es immer noch erträglich warm ist.
Aber jetzt habe ich es endlich erreicht: der 15. Kilometer  wird durch eine Dauerbremsung in 1:10:15 erreicht. Diese Temporücknahme war längst erforderlich, denn jetzt wird es schon deutlich wärmer .

Leider sind die Verpflegungstische ,obwohl bis Kilometer 15 deutlich verlängert, immer noch viel zu kurz. Die Masse der Läufer ist hier auch in meinem Leistungsbereich gewaltig gross und ein Hauen und Stechen um die besten Plätze an den Tischen, ist das Resultat eines zu vollen Marathon, nein schlimmer noch, übervollen Marathon.
40000 Teilnehmer sind einfach zu viel, da können die Strassen noch so breit sein.
Wie muss es in hinteren Bereichen zugehen, wenn das grosse Feld an die Tische stürmt, dort, wo sich die meisten aller Teilnehmer befinden, nämlich die, die um die 4 Stunden laufen wollen.

Hier sollte der Veranstalter sich ein Herz nehmen und die Teilnehmerzahl auf 30000 limitieren.

Aber ich musste ja hierhin, denn jeder weiss es, weil ich ja irgendwann mal nach Berlin musste, nun bin ich da und ich habe Glück in diesem Hexenkessel nicht mehr auf Bestzeitjagd zu sein.

Nach 1:38:47 erreiche ich die Halbmarthonmarke in Kreuzberg. Es geht mir weiterhin gut ,aber ich bin immer vorsichtig und allmählich schleicht es sich wieder in meinen Kopf hinein, es ist da, vor meinem geistigen Auge, und ich weiss so verdammt genau, es kommt immer näher, Kilometer um Kilometer, Meter um Meter. Ich male mir aus wie es für mich sein wird, wenn ich es wirklich zum ersten Male in meinem Leben sehe, wenn ich ihm dann auf Sichtweite immer näher komme, Schritt für Schritt, wenn die Gänsehaut meinen ganzen Körper überzieht  und ich dem Ziel nicht mehr weit sein werde…….

“Vooooorsiiiiiiiiiiiiiiichtt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!” zischt es unmittelbar vor mir durch die Luft, ich war gedankenverloren  im gleichen , von mir eingestellten Tempo weitergelaufen, als ein Läufer neben mir ein Überholmanöver starten wollte und ich ihm aber den erforderlichen Platz nicht gab ,um vor mir wieder einzuscheren.  “Ich bin auch für eine Teilnehmerreduzierung und -limitierung” quittierte ich sein Ärgernis zurück und lief weiter, so wie ich es vor hatte.
Nach ca. 25 Kilometern merke und fühle ich immer mehr ,wie  dieser Marathon zu einem Hitzelauf verkommt:  Die Sonne scheint schlimm, mit voller Kraft ,hier sieht man auch die ersten gezeichneten Läufer, die der jetzt einsetzenden Hitze Tribut zollen mussten; sie gehen, wanken , joggen…..
Die Luft ist stickig ,staubig ,trocken und heiß. Ausserdem vermisse ich die angekündigten Häuserschluchten ,die Schatten spenden sollten. Mein Gefühl ist , fast ständig nur durch Sonne zu laufen. Das war in Wien nicht so. Hier läuft man zwar durch Häuserreihen hindurch, die aber ,warum auch immer  ,kaum Schatten erzeugen, und das  ,obwohl die Sonne längst nicht mehr ihren Höchststand erreicht.

Und wie das so ist, wird von Athleten ,aber auch von Trainern immer wieder unterschätzt, dass sich zum Beispiel eine 25° Temperaturangabe auf den Schatten bezieht und nicht auf die Strecke ,die in der Sonne zurückgelegt wird.. Läuft man wie hier hauptsächlich durch Sonne ,kommen mindestens 10° dazu, die mit berücksichtig werden müssten.
25 ° C bei bedecktem Himmel müssen somit gar nicht einmal so knallhart werden, eben weil es sich hier wirklich “nur” um diese 25 ° handelt.

Aber wen interessiert jetzt schon: hier und jetzt wird gelaufen, wie auch immer ….;und für jeden zählt nur eins : Erreiche das Ziel!

Bei Kilometer 28 ,am Wilden Eber, der gar nicht so wild war wie immer angekündigt ,sehe ich sie zum ersten Mal, die Heuschrecke.
Sie läuft links versetzt vor mir ,ich winkele meine Augen zu ihr hin und  sehe ,wie sie immer wieder durch leichte Sprünge im Lauf auffällt, dann wieder in einen eleganten Gleitschritt verfällt und über den Asphalt slippt, um dann wieder damit anzufangen einige ,fast gesprungene Sätze ,nach vorne zu machen. Ihr blonden Haare wehen um ihr herbliebliches Gesicht. Sie hat wohl die gleiche Leistungsstärke ,außer  sie befindet sich im “ Sprung”, dann wieder ist sie etwas schneller  als ich ,und

so wir laufen eine Zeitlang auf Augenhöhen nebeneinander her.


Ich schiele immer wieder zu ihr herüber, weil ihr Laufstil doch besonders ist und  mich fasziniert.
Kilometer 30 erreichen wir gemeinsam in 2:20:57. Das halte ich für gut, es ist ein gutes Polster, das man als solches auch bezeichnen kann, weil ich nach wie vor nicht am Limit, sondern auf der Überholspur laufe. Und das ,obwohl es nun richtig warm ist und auch noch wärmer werden wird.

So gleite ich hin durch Zuschauermengen, die jetzt wirklich in Massen vertreten sind und schaue mir hocherfreut das 35. Kilometerschild an: 2:44:31  ist die nüchterne Mitteilung meiner Armbanduhr dazu und ich weiss ,dass ab jetzt ein 5er- Schnitt reichen wird, um die anvisierte 3: 20 auf der Strasse des 17. Juni durch die Zielmatte bestätigt zu bekommen.
 Ich laufe, immer weiter, schwimme im Strom mit ,aber ich bin in diesem Strom immer etwas schneller als die meisten Anderen, nach wie vor  .  Alles läuft nach Plan ,aber ich weiss auch ,wie es so oft ist im Marathon:  Wenn du meinst ,es geht dir gut- das geht vorbei…..

Ups !  Aber Hallo !!!! Da vorne  läuft  doch wahrhaftig die Heuschrecke wieder, nochmal treffen sich unsere Wege zur gleichen Zeit. An der 35er Verpflegung hat sie  wohl einen leichten Vorsprung herausgelaufen, den ich aber jetzt nach fast 36 Kilometern wieder zulaufen kann. Fast übermütig laufe ich neben ihr her, das geht so ein paar Hundert Meter vielleicht, ich überlege, was ich sagen soll, weil ich sie jetzt einfach mal ,um ihr Mut zu machen .ansprechen will,………!

Und da geht es los !

 Ich kämpfe nun von einer Minute zur anderen um Längen mehr ,als noch ein paar Momente zuvor. Ich spüre meinen Körper überall und dann immer wieder diese Hitze. Ein Kratzen im Hals manifestiert sich und das Luftholen fällt augenblicklich deutlich schwerer; die von Staub und Ozon geschwächte Lunge fordert mich ermahnend auf, jetzt lieber solchen Blödsinn wie Flirtereien bleiben zu lassen und sich wieder auf einen  Marathonlauf bei Kilometer 37 zu konzentrieren. Auch andere wichtige Körperorgane und Gliedmassen beziehen zu meinem Vorhaben Stellung  und ermahnen mich , die Konzentration wieder auf  sie und das Rennen zu verlagern, weil dies nun absolut erforderlich sei.
Schnellstens liess ich mich “überreden” kein Gespräch zu beginnen , denn ich wusste zu genau, dass meine Partner an und in mir eine gegenteilige Meinung möglicherweise mit einem Generalstreik beantworteten.
Zudem habe ich ohnehin den Eindruck, dass der Laufstil der Heuschrecke sich hier ,kurz vor Kilometer 40 deutlich verändert hat: Ihre Sprung- und Flugphase ist längst nicht mehr so prägnant und hat an Dynamik verloren.
So laufe ich ganz lieb und ruhig weiter, ich drifte, ich slippe und gleite hin im 5er- Schnitt, der mich  hier an meine Grenzen bringt.  Es geht jetzt für mich nur noch um eines: Nach Hinten absichern! Den 5er halten und die 3:20 wird stehen…..
Die Sonne scheint bis zum 39. Kilometer in einer Art ,wie ich sie im Marathonwettkampf nie zuvor erlebte. Vollkommen ohne Schatten, in dem es mittlerweile 26 ° sind, erreiche ich das Ende der Leipziger Strasse - doch doch , es ist die Leipziger Strasse und nicht die nördliche Sahara……

Aber nun doch:
Die Euphorie nimmt Gestalt an: Ich habe das  Schild mit der 40 darauf nach 3:09:30 erreicht.

Es ist noch ein harter Kampf, die Muskeln befinden sich in der Schwerstarbeitsphase, ausgelaugt durch  Asphalt und  Sonne.  Aber alle wollen noch ;und viel wichtiger: Sie können noch!
Nun ist es nicht mehr weit, gleich werde ich es zum ersten Mal in meinem Leben zu Gesicht bekommen. Die Anstrengungen, die ich unternahm, dass das erst in wenigen Minuten der Fall sein wird ,hat  sich gelohnt  :
 Ich wollte eine innere, zusätzlich geistige Spannung aufbauen, einen Mýthos in mir, zum allgemeinen Mythos dieses Bauwerks, entstehen lassen, es zu einem, meinem Sinnbild zu etwas Grossartigem werden lassen, vor mir selbst, um mich zu puschen, zu berauschen und  anzutreiben. Dazu durfte ich es vorher nicht sehen. Die Magie des “Ersten Mal” sollte mit in diesen Cocktail hineinkommen.

Ich biege ein auf die Strasse Unter den Linden und der in den letzten Wochen oft geträumter Traum wird wahr: Von  weitem sehe ich es : DAS BRANDENBURGER TOR

Ein überwältigender Anblick !

Obwohl das wohl berühmteste Tor auf diesem Planeten  von hier noch gut ein Kilometer entfernt ist, zieht es mich in seinen Bann.

Auch das Ziel ist mit wenigen  Hundert Metern hinter diesem gewaltigen  Bauwerk des Frühklassizismus nicht mehr weit.

Aber es gilt jetzt in kleinen Schritten zu denken: Zuerst das Tor ,dann das Ziel ! Was für eine Kombination.

Ich arbeite mich heran an meinen Traum, Meter um Meter, das dauert, Minute um Minute,  aber dann ist es auf einmal vor mir: Ich weiss nicht was ich denken soll, ob ich noch denken kann, ich weiss nicht einmal mehr ,ob ich noch laufe; wie in Trance gleite ich in meiner Luftbahn durch die imposanten Torbögen hindurch.

Alles geht jetzt so schnell ,viel zu schnell….; hier und jetzt müsste die Zeit ein wenig stehen bleiben, dann wäre man richtig satt.

Aber glücklich bin ich auch so, denn der nächste Höhepunkt wartet schon: DAS ZIEL

Auf dem Pariser Platz drehe ich noch mal richtig auf, liege hier deutlich unter einem Fünfer, ca. 100 Meter vor dem Finish mache ich einen kurzen Uhrencheck ,ob ein Sprint  einen etwaigen Minutenumsprung zuvorkommen könnte: “3:19:50” ist die Rückantwort vom Chronographen  ,und ich weiss, dass ich in der Phase des Rennens die Hundert Meter nicht mehr unter 10 Sekunden laufen kann, ich finishe mit relativer Ruhe in  3:20:08 .

Es war eine Punktlandung und ganz ehrlich, ich hätte das auf Grund der Wettersituation nicht erwartet, und das erfreute mich ganz besonders .

 

Weniger erfreulich finde ich, dass Marathonrennen dieses Ausmasses ,mit dieser hohen Anzahl von Newbies, denen absolut nicht bekannt ist, was da nach 4, oder auch 5 Stunden auf sie zukommt , wenn es so heiß ist wie bei diesem Rennen ,nach wie vor in Sommermonate gelegt werden.

Ich halte eine solche Terminierung für verantwortungslos : Der sich vollziehende Klimawandel ist allerorten spürbar und in vollem Gange, die Temperaturen sind Mitte September im Regelfall mittlerweile deutlich zu hoch ,um einen Marathonlauf unter  ,auch aus medizinischer Sicht, sportlich guten Bedingungen durchzuführen. Aber es muss wohl erst noch mehr passieren ,bis sich Veranstalter nicht von finanziellen ,sondern auch von sportlichen und gesundheitlichen Aspekten zu einer Verschiebung der Events bewegen lassen (müssen).

Das war`s aus Berlin ; und es war schön in Berlin.

 

Many greetz, Toprun

 

Der Lauf wurde mit einem  3maligen Training im Mikrozyklus wie folgt vorbereitet:

Mon.: 12 Km (Berg) Intervall oder Tempodauerlauf

Mit.: 12 Km   in 55 bis 58 Minuten

Sam.: 28 Km in 2:20 bis 2:22 Stunden

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2 Laufschuhe im ¾ Takt

Wien-Marathon am 19.4. 2009


Wie konnte es auch anders sein ?!
10 Tage vor dem D-Day  fing ich damit an, den Wetterbericht, obwohl er zu einer solchen Zeit eigentlich nicht diesen Namen verdient hätte, zu bemühen, eher hätte ich da wohl Madame Tessier `s  Ratschläge einholen können und wäre möglicherweise dabei noch besser bedient worden.
Aber wie das so oft vor einem Marathonrennen der Fall ist habe ich mich in dieser Hinsicht wenig unter Kontrolle.
Ich wollte ja schließlich sicher gehen, dass es ja nicht zu warm werden wird am 19. April.

Diesem Zwang gehorchend schaute ich mir also jeden Tag diese Langzeitprognosen an, und wie das immer so ist, wechselten sie fast täglich ihre Richtung : Einmal waren es 26 ° Grad, die zu erwarten waren, dann wiederum “sprach” man von 13° ,die mein Herz sehr hoch schlagen ließen.

Wiederum liess ich mich im Vorfeld des Rennens mit derlei  Spielereien verrückt machen, am Tag vor dem Event dann “versprach” die Radiostimme  von Ö 3  21° C . Das Ganze sollte durch einen absolut wolkenlosen Himmel zustande kommen. Mir blieb das Frühstück an diesem wunderschönen Morgen des 18. April fast im Halse stecken, als ich diese dann wohl ernstzunehmende Botschaft der Meteorologen vernahm.
Ich wusste, das kannst “du” jetzt  ernst nehmen, ich werde also ein weiteres Mal  in meiner Postlaufkarrierekarriere schlechte Bedingungen haben. Im Verlauf dieser Zeit absolvierte ich 4 Marathons , die sich bis auf einen, in allesamt schlechten äusseren Laufbedingungen präsentierten und durch Hitze ,oder Regen und Wind erheblich erschwert wurden. Und diese Misere sollte sich jetzt wohl beim Fünften fortsetzen.

Und nun stand ich wieder vor dem Nichts, vor der Ungewissheit, vor den Tücken des Wetters, was in diesem April fast schon zu schön und alles andere als marathontauglich war .

Ich war  leicht unruhig, lustlos und konnte vielleicht 3 Stunden nicht schlafen  am Abend des 18..



Geschafft!  Die Nacht ist um !  Es ist mein Tag ! Es ist der Marathontag, der mir wiederum einen Leistungsstand meiner derzeitigen Fitness aufzeigen soll.
Blitzschnell  stürme ich zum Fenster ,ziehe die Vorhänge auf und was war ?! Es war “blau” ,und wie ! Nicht eine Wolke erinnert an bessere Bedingungen für eine Marathonteilnahme, als die hier angebotenen.

“Es war so, es ist so und das machst du jetzt so- so oder so, oder hast du eine Alternative?!”  denke ich.
Eine  Alternative  hätte wohl dann Tragfähigkeit erreicht und wäre  zum Einsatz gekommen, wenn die Temperaturen, so wie noch wenige Tage zuvor ,auf über 25° C geklettert wären: Ich hätte mich wieder hingelegt und die Anderen laufen lassen…….!
Das ist aber wohl heute nicht der Fall und so bleibt mir keine Wahl, ich muss hier auf dem Zimmer frühstücken,  weil  das Frühstück noch nicht so früh serviert wird, anschliessend meine Laufsachen packen und zum Start  in Uno- City fahren.

Alles mache ich recht lustlos ,ich bin im unmittelbaren zeitlichen Vorfeldes  des Starts recht unmotiviert- so kenne ich mich überhaupt nicht, weil ich doch nur zu gut mein Naturell kenne und ich somit weiss, wie beflügelt ich vor einem Marathonstart bin, welche Energien ich dabei immer wieder freisetzen kann….
Die grosse Frage ist also jetzt: Wann kommt die Euphorie ? Wann kommt das typische Vorstartschweben? Wann  wird mein Gang stolz und aufrecht?
Noch schlürfe ich recht gebückt von einer Zimmerecke zur  anderen ,um alle erforderlichen Utensilien zusammen zu klauben.

Der Hotellift bringt mich hinab zur Strasse, es ist eine Strasse von den vielen Strassen in Wien, auf die ich mich so freute, die ich unzählige Male studierte, nein, mehr noch, auf denen ich schon lief, vor meinem geistigen Auge. Ich lernte sie schon vorher  lieben, obwohl sie jetzt ,hier und unmittelbar vor mir ihre wahren und realen Liebenswertigkeiten feilboten:

Wien ist eine sehr schöne und außerordentlich beeindruckende Stadt, überall trifft man auf alte Bauwerke, nichts oder nur wenig wurde durch Kriege zerstört, prunkvollste Bauwerke wie Parlament , Stephansdom oder Rathaus, um nur ganz wenige von allen  zu nennen, ziehen den Besucher in ihren Bann.

Und ich ?!
Ja, ich befinde mich mitten dazwischen , in diesem grossartigen Szenario:
Gestern noch bei der Friendchip- Party , im Festsaal des Rathauses , verschlug es mir beim Betreten von diesem fast den Atem; ehrfürchtig bewunderte ich diesen “Renaissance - Tempel “, ich schritt ein paar Meter durch das Bauwerk aus dem Jahre 1883 ,ich blickte empor auf den mit Gold verzierten Stuck ,auf die bleiverglasten Fenster, die mit Farben und Motiven, die darin eingearbeitet waren , eine Art Magie ausstrahlten,  ich sah über mir riesige Kronleuchter ,darüber wölbte sich eindrucksvoll ein tonnenförmiges gewaltiges Gewölbe, dazu standen Steinstatuen Spalier , die geschichtsträchtige Persönlichkeiten  darstellen, als ich dann wieder nach unten blickte, merkte ich ,dass ich mich über edelstes Eichen-Parkett bewegte.

Die Werbebanner von Asics, Sparkasse, oder aber Manner - Schnitten inmitten dieses optischen Bouquets  wirkten dabei schon eher belustigend ,waren aber dennoch  geschmeidig in diese  optische Gesamtheit zu etwas Speziellem eingeflochten  worden- Österreicher haben Stil , Lebensart und lieben  die Kunst, das offenbart sich in Wien ganz besonders.


Die U-Bahn bringt mich  schnell zur Reichsbrücke, vor der der Start um Neun erfolgen wird, am Sonntag, den 19. April .


Die Sonne scheint um 8:55 Uhr in Uno-City ,der Wiener Trabantenstadt , dem Startpunkt des Wien-Marathon ,als täte sie es zum letzten Mal; als gäbe sie noch einmal ihr Bestes, um alles was sie erreicht mit ihren Strahlen, in grellstes Licht zu tauchen , zu umhüllen, dazu vergisst sie nicht, ihre Intensität, auch an diesem recht jungen Tag ,immer mehr zu erhöhen.
Nie zuvor stand ich am Start eines Marathon, zu dem die Sonne eine so intensive Kraft besaß, sie “brannte”  jetzt schon……, obwohl sie dies ja  immer tut…..
Ich hatte eigentlich jetzt genau die Situation, die ich nicht wollte, vor der ich mich so fürchtete, die ich hasse, wie der Teufel das Weihwasser und  nun kann ich nicht mehr zurück: Ich muss meinen Hitzemarathon beginnen und ich werde ihn beginnen !

Im Startblock “Blau” stehe ich in der ersten Reihe, es handelt sich hier um eine Art Dualstart, etwas zurückversetzt und parallel zu der einem zweiten Läuferband neben meinem Standpunkt.

Man zählt zurück, jetzt erst spüre ich zum ersten Male ein Kribbeln, das durch meinen Körper fegt, von ihm Besitz ergreift,  ihn jetzt, fast zu spät, wachrüttelt, ihm klarmacht, um was es hier geht, und dass immer was geht, seien die Bedingen auch nicht gut.

Das Fieber, das ich so lange vermisste, war mit einem Male da und meine Füsse beginnen, ihre lange , beschwerliche Arbeit zu verrichten.

Die imposante Reichsbrücke  bildet das erste Hindernis dieses langen Weges, schon von weither sieht man ihre recht starke Wölbung, die ein Überqueren der Donau möglich macht. Für uns Läufer heisst dass, eine recht ernst zunehmende Steigung auf den ersten 700 Metern zu meistern. Ich erreiche den ersten Kilometer nach 4: 33- oh hoppla, das ist zu schnell, zudem ist diese Steigung im “Gepäck” nicht ohne und die bevorstehende Hitze ermahnt zur Vorsicht. Schnell reduziere ich ein wenig das Tempo, um hier, und das ist ganz wichtig, nicht schon entscheidende Körner zu verbrennen; dafür wird die Sonne später ohnehin noch sorgen werden…….

Vorbei geht`s am Prater, zum ersten Male in meinem Leben sehe ich das berühmte riesige Rad, ausgerechnet in einem Marathon…….
Hier ist es teils schattig und ich kann mein mir ausgegebenes Tempo natürlich mühelos halten- so komme ich nach 5 Kilometern auf eine Laufzeit von 23:35 Minuten, mein Tempomat hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet.
Nun wird wieder zurück, vorbei an der Staatsoper und weiteren interessanten Gebäuden , in Richtung Innenstadt gelaufen. Hier stehen jetzt die Spektators  , machen Lärm, grölen, jaulen und wollen abgeklatscht werden. Diesen Gefallen tue ich ihnen gern , weil ich auch Kilometer 10 recht ausgeruht nach  47:10 Minuten erreiche.
Das sind natürlich nach wie vor Geschwindigkeiten ,die mich nicht fordern, in denen ich entspannt zu Werke gehen kann, mich auf das Umfeld des Marathon einlassen kann - kurzum: In diesem Teil des Rennens und auch noch etliche Kilometer weiter kann ich Marathon geniessen, Sightseeing betreiben und mich mit einem Teil der  200000 Zuschauer beschäftigen.
Dennoch: Mich beschäftigt weiter das Wetter, die Sonne scheint von Wolken ungestört und ich warte fast schon darauf von ihr  endlich gestört zu werden.  Über so was  in einem Rennen zu denken sind Todsünden im Marathonlauf, ich bleibe dabei, ich war an diesem Tag ein mentales Wrack und zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass sich daran auch  nichts ändern könnte. Im Gegenteil: Immer wieder male ich mir aus, vielleicht schon bei 15, naja dann  halt bei 20 ,oder aber doch erst am 25. Kilometerschild  aus dem Wettbewerb zu gehen.
Ich wartete  quasi auf meinen sportlichen Kollaps , obwohl es mir bisher nicht schlecht ging. Was nur  ist mit mir los?! Wo bleibt mein Marathonenthusiasmus ??
Die Verunsicherung wuchs bis hierher , aber ich weiss noch nicht einmal genau warum. Lag es etwa an der vor dem Start gespielten populärklassischen Weisen im James Last-Sound, die aus den Lautsprechen ertönten, oder war es wirklich nur die schiere Angst vor der einsetzenden Hitze.

Was es auch immer war, ich musste einen Takt finden, ich musste Rhythmus erzeugen,  mir muss es nun bald gelingen, mich in den Marathon hineinzulaufen, ihn zu verinnerlichen ,ihn zu leben, ihn zu tanzen und ihn  wieder zu lieben.

Es geht weiter über die Linke Wienzeile in Richtung Schönbrunn, hier zeigt die Sonne nun zum ersten Mal am heutigen Tage richtig, wie gut ihre Laune doch ist und gibt dazu eine kostenlose Bestrahlung, die durch Bäume oder ähnliche Hindernisse nicht behindert oder entschärft wird.

“Okay, du machst auf jeden Fall weiter bis zum Halben, und dann werden wir ja sehen wie es uns geht, den Füssen, euch neuen Gelben , die das Drumherum  bilden und natürlich mir, dem Boss von dem Ganzen- ich erwarte also eine Zustandsmeldung aller Systemkomponenten mit der dazu gehörigen Peripherie ,wenn wir wieder am Heldenplatz vorbeilaufen ,um von dort aus die nächsten und letzten 21 Kilometer in Angriff zu nehmen, soweit das überhaupt möglich ist.
Ich werde mich natürlich nach dem schwächsten Glied in der Kette richten, gibt es irgendwo Probleme steige ich aus und schalte euch ab.”

Die Ansprache an mich und was in diesem Rennen an Wichtigem zu mir gehört zeigt  Wirkung, ich beginne mich auf dem Rückweg vom Schloss Schönbrunn zum Heldenplatz in der Innenstadt  zu konzentrieren-und zwar auf das Wesentliche, auf die Strecke, auf die Passion zum Marathon und natürlich dem Ziel am Heldenplatz, das ja gleich zum ersten Male zu sehen sein wird..

In der Mariahilfer Strasse  wird es vorübergehend schattiger und irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, dass ich mehr Zug in diese ganze Angelegenheit bekomme.

Das Tempo laufe ich dabei immer gleich, aber genau genommen interessiert mich das auch gar nicht einmal so, weil `s  natürlich weiterhin keinen körperlichen Leistungsabfall bei mir gibt und ich somit die angestrebte Geschwindigkeit problemlos weiter halten kann. Die 5-Kilometerabschnitte werden von mir in 23:15 bis 23:45 gelaufen; das ist recht behäbig ,aber ich bin vorsichtig und muss es auch sein.

Jetzt, kurz vor dem Halbmarathonziel am Heldenplatz überhole ich etliche Halbmarathonis, die jetzt doch sichtlich mit der immer weiter steigenden Wärme zu kämpfen haben. Dann laufe ich am Heldentor vorbei, nachdem die Halbmarathonteilnehmer hier schon abbiegen durften ,um ins Ziel zu laufen.  Sehsüchtig schaue ich durch die Säulen des kolossalen Tores in das dadurch sichtbare Marathonziel.

Und jetzt merke ich es immer mehr ,das Feuer brennt, ich bin im Fieber, ich will dahin und werde alles geben ,um auch dahin zu kommen , nämlich in das Marathonziel auf dem so berühmten Heldenplatz. Zum ersten Mal bekomme Rhythmus in meinen Lauf, es ist wohl ein flotter ¾ Takt,, und der schläfrige Wiener Walzer, der  mir bis jetzt im Kopf dröhnte, verschwindet mehr und mehr.

Natürlich hatte ich wieder einen Ausdruck des Heldenplatzes mit dem Ziel in Farbe auf meine Maschine in meiner Firma geklebt- ich wollte mich heiß machen auf dieses Event, das gelingt mir jetzt immer mehr ,oder sagen wir wieder.

Ich bin wieder in “meinem” Marathon !!!

Nach 1:39: 06 Stunden laufe ich über die Halbmarathonmatte, taste mich weiter  vor, am Rathaus vorbei, ich schnappe mir Kilometer um Kilometer in den 20ern, das geht jetzt besser als eben noch erwartet. Hier bin ich in der Lage das Tempo zu forcieren , nachdem ich ja am Halbmarathonpunkt den angekündigten Check-up gemacht habe-dort wurden mir absolut keine Störmeldungen einzelner Aggregate oder Zubehörteile mitgeteilt.

Ich bin also auf dem Weg, auf dem Weg wieder ein grosses Ziel zu erreichen, dass ich wiederum mit einer körperlichen Minimalkonfiguration von nur 3 Trainingseinheiten in der Woche hier in Wien durchstemmen will.

Wird mir das gelingen?!

Noch gibt es weiterhin viele Fragen und die Zweifel sind  immer noch gross.

Wieder geht es heraus aus der Innenstadt auf die Schützenstrasse, es folgt die Hauptallee, eine wie an der Schnur gezogene  Allee ,die ihr Ende am historischen Lusthaus findet.

Aus vielen vielen  Fernsehübertragungen vergangener Marathons kenne ich diese lange , recht eintönig wirkende Passage des Rennens und hatte selbst im Vorfeld grössten Respekt vor diesem Part.

Nun befinde ich mich bei Kilometer 30, alles an und in mir ist weiterhin im grünsten Bereich, nichts ,aber auch gar nichts deutet mehr auf einen Kräfteverschleiß , in welcher Form auch immer , hin. Ich biege ein in diese von mir so gefürchtete Allee, noch sind meine Tanks voll, ich habe Respekt ,immer noch Mut und jetzt auch meinen Marathonblick, der durch weit geöffnete, willenstark, strahlende Augen gekennzeichnet ist.

Ín meinem Kopf  hat sich endgültig das Heldentor breit gemacht , das ich nun erreichen will, koste es ,was es wolle, Zweifel an mir und dem Wetter sind gewichen und ich merke: Ich bin der Imperator des Wiener Asphaltes, ich werde nun keine Ruhe mehr geben, ich werde nicht nachlassen ,und diese gefürchtete ,aber recht schattige Allee mit noch nicht leeren Energietanks verlassen.

Ich  schliesse die Handflächen , forme daraus eine Beckerfaust, das wird von einigen Zuschauern wahr genommen, sie feuern mich daraufhin frenetisch an .

Als ich um das Lusthaus herum wieder zurück in Richtung Innenstadt laufe ,ertönt aus der kilometerlangen Beschallungsanlage Hung up von Madonna. Das hört sich doch viel besser an als James Last und noch mal kann ich das Tempo, auch hier ,bei Kilometer 36 , erhöhen.

Ich habe wieder einmal Flügel, obwohl mir die in diesem Bereich eines Marathon noch nie wuchsen-jetzt taten sie es, das 37. Schild übersehe ,oder vergass  ich. Auch so was ist mir nie zuvor passiert; wie sehnt man sonst nach Kilometerschilder jenseits der 30er -Grenze ?!  Jetzt ist alles anders, und ich weiss nicht einmal warum, ich laufe einfach weiter, als wollte ich nie aufhören damit.

Es kommen Hochrechnungen auf, wann ich das Ziel erreichen werde. Sollte ich das Tempo annähernd halten können, läuft`s wohl auf eine 3:19 hinaus.

Mensch! Wer hätte das gedacht!? Unter diesen Bedingungen!!!! Ich werde noch verrückt hier in Wien- und das im positivsten Sinne.

Dabei hat die Sonne ihr Strahlen nicht verlernt und tut das jetzt mit grösster  Macht. Was soll es, meine Macht ist größer  und denke : “Du hast da oben dein Reich, du blöder Feuerball , du - hier unten bin ich der Chef auf den 42,195 Kilometern Wien. Du hast mich versucht daran zu hindern, hier meinen Triumphzug zu zelebrieren und zu feiern, aber es ist dir bis hierher nicht gelungen und  es wird dir auch weiterhin nicht gelingen!! Komm doch einfach  im July wieder, dann hättest du vielleicht eine Chance mich durch deine Glut zu behindern , aber dann werde ich leider nicht mehr hier sein...harhar . Ich hoffe, du verstehst was ich meine…!”

Mein Flug geht weiter, hin zum vierzigsten Kilometer, auch  bis hierher konnte ich immer noch einen 4:45 -Schnitt halten, ich kann es noch gar nicht fassen, meine Flügel schmelzen weiterhin nicht.

Dann  der letzte Boxenstopp bei Kilometer 40: Ausgiebig trinke und erfrische ich mich ein letztes Mal; ich lasse mir viel Zeit ,will nichts mehr riskieren; jetzt ein Krampf und alles wäre dahin. Leicht ausgeruht und mit  wohl glücklichen Augen mache ich mich auf das letzte Stückerl Weg, aber auch ich merke jetzt ,dass ich mich in einem Marathon bei Kilometer 40 befinde, es wird schwerfälliger ,aber ich bin weiterhin auf der Überholspur, seit 12 Kilometern tue ich nichts anderes mehr- nie zuvor habe ich so viele Teilnehmer “einsammeln” können wie in diesem Marathon.

Das 41. Schild ist passiert, ich kann es spüren, ich kann es erahnen ,ich will es sehen ,das Heldentor.

Meine Blicke wandern nur noch nach rechts, irgendwo dort muss es auftauchen und mich erlösen und noch glücklicher machen, als ich es jetzt schon bin.

Von Weitem sind Jubelrufe und Lautsprecherdurchsagen zu hören, es kann nicht mehr weit sein. Ich laufe wie in Trance, ich brauch jetzt eigentlich nichts mehr, ich will auch nichts mehr ,nur noch eins , das Heldentor……

DA IST ES !!!!

Noch wenige Meter, vielleicht waren  es auch hunderte, es war mir egal und ich darf einbiegen in dieses monumentale Bauwerk, in ihm versinken ,als ich von ihm aufgenommen wurde, um dann die letzten hundert Meter, nachdem es mich wieder freigab, auf blauer Laufbahn ,umsäumt von Tausenden auf Tribünen stehender Zuschauer , das Ziel auf dem Heldenplatz in Wien nach 3:18:20 Stunden zu erreichen.

Für die 2. Hälfte brauchte ich 6 Sekunden länger als für die erste:  Ein perfekter Lauf!

Die Temperatur beim Zieleinlauf  betrug 22° C im Schatten - aber da war kein Schatten ,da war nur Sonne! ;-)

 

Die hier erreichte Zeit ist natürlich recht weit entfernt von einer mir möglichen ,die aber ein adäquates Training voraussetzt, was nicht durchgeführt wurde. Trotzdem  ist sie nicht zuletzt deshalb erwähnenswert, weil ,wie ich finde, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag , sehr gut ist.

Der Marathonlauf zieht mich weiterhin in seinen Bann, aber er bestimmt nicht mehr mein Leben oder meinen  Tagesablauf.

Fast blasphemisch wirkt dagegen genau dieser besagte , geringe Aufwand, was Trainingsumfang und -Intensität  angeht,  gegenüber einem bekannten Trainingsplan- und Pillenverkäufer  und seiner Jünger  , die von einer anderen  Trainingsphilosophie predigen ;-)

Aber : Die Schuhe ,die er verkauft, sind gut ! 

 

Vielen Dank, Achim Viol

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Der  One-Day-Stand  

 

Wer mich kennt weiss, ich bin kein Mann für eine Nacht.

 Dass ich aber durchaus ein Mann für einen Tag sein kann, zeigt dieser Bericht vom Kölner Königsforst-Marathon am 28.3. 2009  

 

 Ich hatte da so einen Gedanken.........   

 Er wurde aus einer inneren ,soll ich sagen, Unruhe heraus geboren?! Eigentlich bin ich aber gar nicht unruhig, sondern eher ausgeglichen , deshalb möchte ich korrigierender Weise anfügen, dass es sich bei der Idee ,vom Allgäu nach Köln zu fahren ,um dort einen Halbmarathon zu laufen und am gleichen Tag die Heimreise anzutreten, eher um eine Schnapsidee handelt.

Eine Schnapsidee ist aber nur dann eine Schnapsidee, wenn ihr Enstehungszeitpunkt  in einen Bereich  zeitlicher Alkoholisierung ihres Urhebers ,durch Schnaps oder anderer alkoholischen Getränke ,fällt.

Auch diese Antriebsfeder  war also hier nicht vorhanden, da ich bei  der Entstehung des Plans für diesen Husarenritt stocknüchtern war, ich schwöre!

Was feststand war, ich wollte eine Formüberprüfung für meinen im April stattfindenden Wienmarathon, die mich dazu aus einem nicht enden wollenden  Allgäuer Winter, wenn auch nur für ein paar Stunden ,befreien sollte.

Der  Entschluss war gefasst :  Ich laufe in Köln den Königsforstmarathon, der 3 Wochen vorm Wienmarathon stattfindet. 

 

Der Morgen dieses Samstags ist jung, es ist 4 Uhr, als der Wecker mich  daran erinnert aufzustehen, um in Ruhe zu frühstücken, Kraft zu tanken und Wettkampfkleidung schon hier , 500 Kilometer vom Startbereich entfernt , anzulegen.

Um 6:23 Uhr verlässt der Zug ,mit mir als Passagier,  Immenstadt, noch  bin ich ein wenig müde ,aber es ist schon hell , und so lasse ich es auch in mir ganz hell werden: ich freue mich auf die Fahrt und den Wettkampf in Köln.

Um 11:04 Uhr  erreiche ich den Kölner Hauptbahnhof; wie freute ich mich auf Blumen , Grün und gutes Wetter, empfangen wurde ich jedoch mit Sturm , Regengüssen und viel Grau. Ganz sicher, ich kenne die Situation hier in Köln, es ist nie windstill oder schwachwindig und in diesem März  ist es halt nur stürmisch. Es ist mir egal, wenn der Regen nur aufhören würde……

Den Startbereich erreiche ich zügig mit der S- Bahn, ich bin einer der Ersten ,der am Halbmarathon und Marathon teilnehmenden Teilnehmer. Ich checke  die Örtlichkeit, mache mich in Ruhe, fast routiniert , mit der Umgebung des Start- und Zielbereichs vertraut .

Ich fühle mich wohl, weil es aufhört zu regnen, der Wind jedoch ist schon gewaltig, so etwas ist im Allgäu vollkommen unbekannt oder tritt nur dann auf, wenn ein manifestiertes Orkantief herangerauscht kommt.

Noch fünf Minuten bis zum Start : Schon beim Warmlaufen wurde mir schnell klar, du bist fit, fühlst dich gut und kannst entspannt zur Startlinie schreiten. Das tue ich jetzt auch, mit erhobener Brust und vielen angenehmen Vorstartschmetterlingen im Bauch warte ich mit ca. 800 Anderen auf den alles erlösenden ,mit der Roboterstimme vom Raumschiff Orion erzeugten,  Countdown.

 

 Es geht los!  

 

Die Fahrt hat begonnen , ich bin  wieder einmal in meinem Element, ich laufe einen Halbmarathon Wettkampf und das nach einer längeren Durststrecken von  5 Monaten, in denen ich kein Wettkampf absolvierte.

Richtig zeigen muss ich keinem mehr etwas, weder mir noch anderen, das weiss ich nur zu gut, dieses Bewusstsein  beflügelt und lässt Verkrampfungen erst gar nicht aufkommen. Und so schwebe ich fast schwerelos zum ersten Kilometer , der  die richtige Würze durch  eine durchwegs vorhandene Steigung bekommt, in 4: 23 Minuten. Dieses Teilstück habe ich  beim Warmlaufen inspiziert und ich wusste deshalb nur zu genau , dass hier ein Überpacen sinnlos und böse Folgen für den weiteren Verlauf des Rennens haben könnte.

 Umso mehr überraschen mich in diesem Zusammenhang dick vermummte  Teilnehmer, die eher  danach  aussehen, schon beim Training im 5er- Schnitt am Limit zu laufen, am Nordpol oder im Allgäu zu leben, als mit mir hier  bei 8 ° plus noch gleichauf liegen.

Auch in der  Folgezeit geht`s  weiter bergauf, zwar moderat , aber linear. Nach 3 Kilometern  wird  der gut zu belaufende Waldweg verlassen, die Strecke verläuft nun parallel zu einer Strasse auf einem Radweg, hier geht es teilweise wieder leicht bergab, jedoch  ist ein Zeitverlust durch  vorherige Steigungen auch hier nicht wieder hereinzuholen .

Nach einigem Auf und Ab erreiche ich  Kilometer 5 in  21:30 Minuten, das ist etwas schneller, auch im Hinblick auf das zurückliegende coupierte  Laufterrain , als geplant. Aber mir geht es gut und ich weiss, dass ich  ab jetzt für die nächsten 5 Kilometer meinen eingebauten Tempomat ,den ich so lange nicht nutzte, einzuschalten habe, da erst  bei Kilometer 10 wieder  ein Kilometerschild zu erwarten ist. Ob es sich dabei um ein Sparpaket des Veranstalters handelt ?!?

Nach anfänglichen Positiónskämpfen hat wohl nun jeder seine leistungsparallele  Mitläuferschaft gefunden, so auch ich. Genau diese versuche ich immer wieder dazu zu nutzen, mich vor dem teils doch recht kräftig Gegenwind zu verstecken, wobei die Strecke sich  jetzt doch über einen längeren Zeitraum als sehr flach und recht schnell erweist. Ich gebe meinen niegelnagelneuen Rennern die Sporen  und nutze die Gunst der doch recht guten, was den Laufuntergrund betrifft, Bedingungen .

An Kilometer 8 ca. stehen nun wirklich 10, 20 Zuschauer, ich bin völlig überrascht, weil es die ersten sind, die ich sehe, winke ihnen zu und versuche mich anfeuern zu lassen : Ich erhöhe kurz das Tempo!

Das ersehnte 10 Kilometer - Schild taucht nun urplötzlich vor mir auf, mit Spannung  schiele ich schnellstens auf meinen Chronographen : Hat mein Tempomat funktioniert!?  Er hat!

Ich bin nun 42:23 Minuten im Rennen und  komme hier   eine halbe Minute schneller  als geplant an .

Wieder heisst es, ein gutes Tempogefühl  zu haben, um das Kilometerschild mit der 15 darauf im angestrebten Tempo zu erreichen. Aber davor wird mir nicht mehr bange, weil mein  köpereigener Pacemaker seine Kunst noch lange nicht verlernt hat.

Der erwartete und prognostizierte Regen bleibt während des Rennens komplett aus, das gibt  nicht nur mir die Hoffnung, sicher und beschwerdenfrei ein recht ordentliches Ergebnis hier  vor den Toren Kölns einzufahren, sondern wohl auch allen anderen Teilnehmern.

Ich bleibe am Ball, drücke weiterhin auf das Tempo , kann es halten und am 15er -Schild wird mir durch den erneuten Blick zur Uhr bestätigt, dass ich die  Pace nochmals forcieren  konnte : 1: 03:12 , heisst es da!! Das war noch mal ein 4:15 er- Schnitt !  Das überraschte mich  doch ein wenig, zumal es mir weiterhin gut geht.

 Kurzum:  Bis hierher war ich rundum zufrieden mit meiner Leistung auf dieser gar nicht so einfachen Laufstrecke. Ich lobe meine Füsse ,meine Beine ,die Lunge und natürlich meine neuen und gelben Mizuno Shoes  in mich hinein, lache ein wenig über meine Gedankengänge und  gebe konzentriert weiter Gas.

 Die Geschwindigkeit kann ich wohl noch für 2 oder 3 Kilometer halten, dann aber ,ich habe es erwartet, weil ich durch das Studium des Streckenprofils darauf aufmerksam gemacht wurde, muss ich die Laufleistung ein wenig reduzieren. Die letzten vier Kilometer  weisen eine fast stetige, wenn auch geringe Steigung , auf. Mein Atem  wird tiefer und wohl auch lauter, ich merke jetzt  nach ca. 19 Kilometern, dass  die so gut gefüllten Glykogenspeicher leerer werden , die selbst bei Kilometer 18 noch für  viel Glücksgefühle und einen recht lockeren Laufstil sorgten.

Jetzt aber kämpfe ich, erstmals in diesem  Rennen, im 20. Kilometer, aber es ist nicht mehr weit!   “Hörte ich da nicht gerade schon  die Lautsprecher des Zielbereiches?! Wer kann mich noch überholen? Ich selbst werde wohl keinen mehr “schlucken” ,dazu bin ich jetzt zu sehr am Limit .

Oberste Priorität hat für dich jetzt nur noch das Absichern der wohl recht guten Zielzeit, also bleib dran und arbeite an deiner Geschwindigkeit - du musst nochmals einen 4: 30 er gehen, auch wenn  das verdammt schwer fällt, denn hinter dir hat sich eine Verfolgergruppe gebildet. Die möchten bestimmt nur eins:  Dir deine gute Platzierung streitig machen, wetten?!  Aber ich werde  kämpfen “, denke ich in mich hinein.

Es sind wohl doch noch 3 oder 4 meiner Jäger, die mir zeigen, dass gelaufene höhere Kilometerumfänge im Training ,gerade in dieser Phase des Wettkampfes, sich bezahlt gemacht hätten, denn nur so hat man das Stehvermögen auch jetzt noch “sein” Tempo zu halten.

Ich komme aus einer Unterführung  heraus, danach geht es nach rechts auf die Strasse, es ist die Strasse “mit” dem Ziel und es sind noch gut 300 Meter bis dorthin. Aber ich bin jetzt und hier schon glücklich, weil ich weiss, dass ich wieder einmal eine,  für mich jetzt , sehr gute Zeit erreichen werde.

Noch einmal gebe ich alles, da ich  gut aussehen möchte beim Zieleinlauf, achte auf meinen Laufstil, reisse die Hände in die Luft, aus Überzeugung, nicht aus Show und befinde mich im Ziel des Königsforst Halbmarathon .

  Für meine Mühen  bin ich mit einer 1:30:44 Endzeit belohnt worden. Sicher ist das eine Zeit, die vor gut anderthalb Jahren noch, die Durchgangszeit in einem Marathon für mich darstellte; heutzutage haben sich die Vorzeichen aber ein wenig verändert, und so darf ich mich wohl über dieses Ergebnis freuen und es als Erfolg werten.

In  der M50 Klasse wurde ich  Siebter , das kam für mich ein wenig überraschend,  und zeigt mir , dass die vom Veranstalter gemachte Aussage, es handele sich hier um ein sehr gut besetzten Läuferfeld , vollkommen zutreffend war. Dennoch, die Creme de la Creme  läuft nicht im Königsforst, darüber gibt die Siegerzeit von 1:18 Stunden deutlich Auskunft. Viel mehr  war hier ein erhebliches  Altersklassenläuferpotential anzutreffen, was nicht nur durch die Siegerzeit des M50 Siegers bestätigt wurde: 1:21 Stunden! Auch die M40 und M 45 waren excellent besetzt.

Und : Nur ein siebter Platz in dieser Klasse mit einer 1:30 in der Tasche ist schon  sehr  außergewöhnlich. Das gilt  besonders für diese Region. Im Gesamtklassement  lag ich auf dem 54. Rang von ca. 600 Teilnehmern.    

Schnell wurde nun geduscht ,denn  der Intercity “Nebelhorn” wartete nicht extra auf mich, zumal ich ihm ja ,was Geschwindigkeit anbelangt, ein wenig Konkurrenz  machte….;-)

Um 23:45 Uhr war ich wieder in Immenstadt. Und jetzt bin ich so beruhigt: “Wien” kann kommen…!   

 Vielen Dank fürs Lesen,

Euer Toprun Achim Viol


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Ich war in Köln

 

Köln-Marathon 2008

 

Die Tasche ist gepackt,die Glykogenspeicher sind fast aufgefüllt,es fehlen wohl noch zwei Tage,die nötig sind,um die Tanks fast zerbersten zu lassen,denn es ist es Freitag,der Freitag vor dem Köln-Marathon.Letzte eingehende e-Mails werden gecheckt,dann kommt auch das Notebook in seine Hülle ,die es vor den Erschütterungen auf der Fahrt bis nach Köln schützen sollen.

 

Ich bin fertig und fast bereit: Für den Köln-Marathon am 5.10.08 .

 

 

Wenn du nach Köln kommst,erwartest du mildes Wetter,gewürzt mit Windstärken um 3 oder 4 Beaufort.Du weisst es,weil es ja jedes Jahr so ist,und stellst an deinem Kopf herum,bis diese Programmierung stimmt .

Am 2. Oktober sprach der Wetterbericht das erste Mal von Windstärken bis 6,am 3.Oktober wurden dann in Böen 7 Windstärken und Temperaturen um 12 ° C mit Dauerregen prognostiziert.

Ich hatte nun also dafür zu sorgen,mein Rechenzentrum umzuprogrammieren,auch wenn es noch so schwer fiel: "Es ist doch wohl eher DEIN Wetter,es ist besser als Wärme und Sonnenschein,der dir die Energie aus den Muskeln brennt;eigentlich willst du doch sowas und nicht sowas-ist es nicht das kleinere Übel?!"

Ich war auf dem richtigen Weg ,ich hatte versucht so meinen Kopf zu überlisten,sich doch mit diesen widrigen Verhältnissen abzufinden.

Das gelang ein bisschen,mehr aber auch nicht: Viel zu klar war mir doch immer wieder,dass ich ja eigentlich nicht irgendwelche Grenzsituationen mehr suchte,die das Wetter meinem Körper bescheren könnte,ich wollte einfach nur ungestört einen Marathon in einem ruhigen Tempo laufen,ohne viel Kampf, Wettertheatralik oder sonstigen Kapriolen.

Ich wollte in Ruhe gelassen werden und laufen.  

Auf der Marathonmesse hole ich zielstrebig meine Startunterlagen,es ist schon viel los hier,aber ich kenne mich aus,ich bin in Köln beim Marathon fast zu Hause,oder sollte ich sagen ?! Es ist hier MEIN Wohnzimmer!

Das Wetter ist noch gut,der Wind ist schwach,die Marathontüte befindet sich in meiner Hand und die Fahrt zum Marathonbasislager im Bergischen Land folgt.

 

Auch der Samstag zeigt sich mit ruhigem,windstillerem Wetter,obwohl auch zu diesem Zeitpunkt schon Sturmböen und Regengüsse angesagt waren-sollte alles wirklich nur ein schlimmer Prognosefake der fürs Wetter zuständigen Frösche sein....?! Hoffnung keimte auf und geschlafen wurde früh.

 

Es ist der 5.10.2008 , 6:05 Uhr als mein Wecker seinen Dienst nicht zu verrichten brauchte,weil ich ihm einige Minuten zuvor kam und schnell seine simple Konfiguration veränderte,um andere noch ein wenig länger schlafen zu lassen.

Ich schaute nicht hinaus,ich liess alle Rollläden unten,ich wollte nicht wissen wie es draussen ist,ich brauchte Hoffnung,und so schlich ich ins Bad und präparierte meinen Körper ausgiebig und gezielt auf Das was da nun gleich auf ihn zukommen würde.

"Hast Du schon gesehn was draussen für ein Wetter ist? So ein Mist.....!" rief Angela mir zu ,als ich das Bad verliess .Manchmal ist es wirklich so,dass Frauen einem alle Träume nehmen,sie sind dann,wie soll ich sagen, so realistisch und gerade heraus,obwohl doch auch sie so gerne träumen.

Nun hörte auch ich den Wind ums Haus pfeifen,sah den Regen der gnadenlos fiel und peitschte,als ich hinaus sah;mein Kartenhaus war erst einmal zerbrochen.

 

 

Wenn du nach Köln kommst,erwartest du Euphorie,diese Hochstimmung der Vorstartnervösität,die sich so wundervoll mit dem Glauben an die eigene Stärke vermischen kann,und wenn du die schwarzen Türme des Domes siehst,spätestens dann bekommst du einen Gruss aus der Magengegend,der einen wie mich, so unendlich süss ,aber auch mahnend,mit warmen Schauern,die durch den ganzen Körper ziehen,ganz in seinen Bann zieht,ihn fast schwebend stolz bewegbar werden lässt .

 

Jetzt weiss ich wieder einmal:Ich glaube an mich! Aber kann ich auch an das Wetter glauben??

Es war in der Tat so,dass hinter Leverkusen der schlimme Regen aufhörte,in Köln auf dem P 21 war es dann trocken,wenn auch sehr windig.

 

Die Busse holten uns,die Gladiatoren der Neuzeit ,ab und karrten alle,die fühlen wollten was es bedeutet 42195 Meter zu laufen , in die Nähe des Startbereiches am Ottoplatz in Deutz..

 

 

Wenn du nach Köln kommst,den Startbereich fast erreicht hast, die Bässe der dröhnenden Lautsprecher schon von Weitem hörst,spätestens jetzt wird dir klar,um was es hier geht:Es geht darum deinen Körper möglichst geschickt und schnell über 42,2 Kilometer zu bringen,ihn genau hier und jetzt mental auf diese aussergewöhnliche Belastung vorzubereiten ,du musst es glauben-nein! Du musst davon überzeugt sein!!

Dieses Mal war es anders,die Bässe waren eher dünn zu vernehmen,die auch dadurch ausgelöste Euphorie hielt sich in Grenzen,das Wetter wollte mir nicht aus dem Kopf,denn es war weiterhin sehr windig.Und dann diese Kälte.......!

 

Es ist 10:45 Uhr!

Die letzten Inliner verlassen jetzt erst, total verspätet, den Startbereich,schnell klettere ich über die Absperrung des ersten Startblockes,weil ich merke,dass die Checkpoints blitzschnell mit Athleten verstopft sind,die so schnell wie möglich in den Startbereich wollen .Auch aus diesem Block möchte ich nicht gerne von ganz hinten starten,da auch hier Staus auf den ersten Kilometern nicht ausgeschlossen sind.

Um mich herum stehen sie nun,meine Mitstreiter,etwa 15 Laufsekunden von der Startlinie entfernt .Die Musik dröhnt jetzt ,der Moderator macht Düsseldorf-Witze und ein feiner Nieselregen setzt ein,der meinen Plastikumhang gegen Nässe und Kälte durchaus rechtfertigt und nötig macht.


Um 11:11 Uhr ,wir sind hier schliesslich in Köln,wird gezählt,es wird zurück gezählt,wie habe ich diesen Moment herbei gesehnt .Nun ist er da:

5 , 4 , 3 , 2, 1, .....................................................................................................

Aus den anfänglichen Gehschritten wird schnell ein Laufschritt,ja ich laufe,ich laufe in MEINEM Kölnmarathon,ich fühle mich so gut,kann jetzt erstmal nicht genug bekommen von den Eindrücken um mich herum .Sie schreien,johlen,klatschen,obwohl sie so mancher aufgespannter Regenschirm dabei behindert,die Zuschauer,die am Start stehen,die das eigentliche Herz dieses Marathon darstellen.

Die Deutzer Brücke bringt uns auf die andere Seite des Rheins ,zum ersten Kilometer,den ich in sportlicher Hinsicht vollkommen entspannt ,nach 4:38 Minuten erreiche,das war etwas zu schnell als geplant,aber ist so für mich zu tolerieren.



Wenn du nach Köln kommst,stehen die Zuschauer fast überall,es gibt kaum mal 10 Meter ,in denen keiner steht und anfeuert,auch das war dieses Mal anders,schon auf der Deutzer Brücke,auf der sonst sehr viele Zuschauer sind, gibt es viele Löcher oder überhaupt niemanden zu sehen .Dieses Szenario zieht sich so fort,auf den ersten

Kilometern,die üblicherweise vor Zuschauern überquollen,ist das Interesse dieses Mal moderat.


Die ersten Kilometer laufen für mich sehr gut,meine Handschuhe verrichten ihre kälteschützende Arbeit,mein innerer Motor arbeitet auf Hochtouren,merke ich eigentlich noch,dass es immer wieder regnet und stürmt??!!

So ist auch Kilometer 5 nach gut 23:30 Minuten erreicht und wie sollte es auch anders sein?! Ich befinde mich im grünen Bereich,kein Körperbereich signalisiert mir irgendwelche besonderen Vorkommnisse, ich fliege durch Beyental wieder zurück Richtung Innenstadt und erreiche das 10. Kilometerschild nach 47:07 Minuten . Auch hier noch wundert mich immer wieder,wie viele Läufer mich jetzt noch überholen,obwohl ich doch auch noch immer auf eine 3:18 Stundenzielzeit hinauslaufe. „Ob ich noch einige von Denen vor dem Ziel wiedersehe??!!“ Davon gehe ich fast aus.


Die nachfolgenden Kilometer laufe ich immer gleich,das Tempo bewegt sich im 4:43-4:45 – Schnitt. Am Rudolfplatz bei Kilometer 19 ,einer Hochburg marathonverrückter Fans ,an der es drei Mal vorbeigeht, hatte ich ein Date ausgemacht,somit ist dieser Punkt auch zugleich eine wichtige Teiletappe in meinem Rennen.

Der Asphalt ist mit Pfützen überzogen,überall glänzt und spiegelt die Feuchtigkeit zu mir hoch,manchmal geht`s nur recht rutschig vorwärts,je nach Beschaffenheit des Asphalts.

Der Wind lässt nicht nach,der Regen nur zeitweise. Eine feuchte Kälte durchdringt mich...,noch kann ich mich trotzend dagegen stemmen.


Endlich passiere ich Kilometer 19,wenige Hundert Meter weiter höre ich den Lärm des Rudolfplatzes herüberwehen,noch kann ich schnell laufen,die Handschuhe brauche ich wohl nicht mehr,ich streife sie halb herunter,um sie beim „Kontakt“ schneller los zu sein.

Aber wo ist mein Engel ?! Immer wieder checke ich mit aufgerissenen Augen die Fünferreihen,die die Zuschauer hier gebildet haben, ab,aber nichts,er ist nicht da,ist er nicht doch im furchtbaren Sturm von der Flugbahn zum Rudolfplatz abgekommen...?!

Das Date fand also nicht statt,was ja auch schon mal vorkommen kann,und gerade bei diesem Wetter.....

Um den zwanzigsten Kilometer herum war es mir gleich,ich riss mir die Handschuhe vollends von den Fingern,an denen sie noch herumhingen und schmiss sie (ja doch!) weg. Der Kostenpunkt der Asics Fingerlinge bewegte sich um 40 Euro.

Ich ärgere mich nicht,was ich will habe ich erreicht,ich kann befreit weiterlaufen und erreiche die Halbmarathonmarke in 1:39 Minuten .Das passt genau in mein angestrebtes Konzept und war so sekundengenau von mir geplant. Wie lange würde ich dieses Tempo noch halten können,das ist nun die immer wieder kehrende Frage.

Der Wind macht das Laufen kraftraubend und schwer fälliger, ich spüre die abgespulten Kilometer ,die mein Körper und in erster Linie mein Bewegungsapparat als Hypothek mitnehmen . Werde ich draufzahlen müssen?

Endlich sehe ich das Dreissigkilometerschild ,ich erreiche es nach 2:21 Stunden und mir ist sofort klar ,dass ab hier ein 5er- Schnitt ausreichend ist,um das Ziel in einer 3:21 zu erreichen.

Der Ortsteil Nippes ,in dem ich mich jetzt befinde ,ist bekannt für hohes Zuschauerinteresse und Strassenfeste ,die am Marathontag hier abgehalten werden. Das ist auch heute so,obwohl genau ab hier ein übler Wind mit Sturmböen von vorne einsetzt.

Es geht weiter,es muss weiter gehen,wofür sind wir hier,zu spielen gibt es hier nichts,wer kann schon nach 30 Kilometern noch spielen,selbst Gedankenspiele verlieren sich hier im Nichts,es gilt nur noch eins: Erreiche das Ziel,wie auch immer! Alles andere ist ab sofort nur aus Pappe oder existiert überhaupt nicht;und jeder weiss,Pappe ist gerade bei stürmischem Regen nicht gerade sehr haltbar. Nur wir sind nicht aus Pappe,denn wir sind Marathonläufer....Ist es denn nicht so?!

Auch bei Kilometer 35 nimmt der Gegenwind nicht ab,hier erlebt jetzt wohl jeder Teilnehmer seinen persönlichen Orkan; ein Verstecken hinter Läufern die vor mir laufen,das mir sonst immer wieder in solchen Situationen gelingt ,ist nicht mehr möglich . Der Wind macht was er will, er kommt von der Seite ,von schräg,aber immer wieder in der Hauptsache von vorn,jedoch wohl nie von hinten.


Ich schiele hinab zur Blueline ,die es heuer in Köln zum ersten Male gibt, und hämmere auf mich ein : „ Komm,go,komm machs noch einmal,das ist das Blau,was du so liebtst,es wird dich ins Ziel führen,mach komm,es ist nicht mehr weit,arbeite an dir,du kannst immer noch einen 5er halten.Das ist nicht schlecht,schau dir die anderen an,die du jetzt überholst,da liegt alles blank,sie haben sich mit zu hohen Anfangstempi aufgerieben,sie sind zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes stehend k.o.,und du!? Genau!! Du läufst noch,auch wenn es noch so schwer fällt ,du bist noch dabei,du bist im Rennen,auch wenn dein Herz hämmert,deine Lunge sich aufbläht wie ein Ballon,deine Beine überall schmerzen,deine Armgelenke vor nasser Kälte kaum noch bewegbar sind und weh tun.

Das gehört dieses Mal dazu,du wusstest es,sonst hättest du nicht starten dürfen,du musst da jetzt durch,auch wenn dir die Endzeit wohl nicht ganz gefallen wird.“


Die Hohe Strasse ,die Einkaufmeile Kölns ist „da“,ich schleiche ganz nah an den Geschäften vorbei,nutze die kleinen Vordächer , um mich vorm Regen zu schützen,manchmal klatschen Zuschauer,ich kann sie jetzt nicht gebrauchen,ich will für mich sein,ich will nicht gestört werden beim Laufen,weil ich am Limit bin,am Limit mit einem 51/2 -Schnitt,ja ,auch sowas gibt`s-ich bin platt,am Ende.

Hallo Achim,komm bleib bei mir! “ höre ich eine weibliche Zuschauerin mir freundlich zurufen,die meinen Namen wohl vom Startnummernaufdruck kannte. „Tut mir leid,ich habe gerade sehr wenig Zeit,“ antworte ich mit zittriger Stimme und schleiche weiter auf meinem Weg des Leidens.

Der Kölner Dom ! Respektvoll schaue ich kurz an ihm hoch,mehr geht aber nicht,selbst ein Kreuzzeichen hätte ich jetzt nicht mehr hinbekommen ,aber jetzt weiss ich,dass dieser Weg des Leidens irgendwann ein Ende haben wird.

Ein kurzer Kopfsteinpflasterpart folgt,dann die grosse Kurve vor der Deutzer Brücke,in der wiederum Zuschauermengen treiben und schreien,aber hier stehe ich fast,obwohl der Kilometer 41 fast erreicht ist.

Ich dränge mich weiter zur Deutzer Brücke vor und dann ist es passiert: Nach über 10 Jahren stehe ich in einem Marathonwettkampf um Kraft zu schöpfen und weil ich weiss,dass dieser Brückenaufstieg noch einmal alles von mir abverlangen wird.

Meine Hände stützen sich auf meine Beine, der Oberköper ist leicht gebückt,ich atme tief,mein Körper zittert vor Kälte,der Sturm mit der Macht der Brücke, spielt mit meinen Laufshorts,ich spüre meine Fingerkuppen nicht mehr, da höre ich wiederum jemanden meinen Namen rufen:“ AAAAAAACHIIIM!!“ , dieses Mal ist es eine mir bekannte Stimme ,denn es ist mein Engel,der hier auf dieser Brücke gelandet ist und auf

mich wartet. Ich baue mich wieder auf,laufe zu ihr hin,hole mir einen Kuss ab und fliege weiter,jetzt wachsen MIR fast Engelsflügel, die mich über die sturmumtoste Deutzer Brücke flattern lassen ;über den Rhein und weiss ab sofort genau: „Es war kein Reinfall,du bist da,du bist am Ziel deiner Träume,du wirst das Ziel des Köln-Marathon erreichen und so schlecht wird die Zeit nun auch wieder nicht werden.“


Es geht leicht bergab und eine anschliessende Linkskurve lässt das Ziel erahnen ,ich sehe das 42 Kilometerschild,passiere es nach einer Wettkampfzeit von 3:23:03, die Zuschauer toben,ich werde zum laufenden Vulkan,renne wie von Sinnen,rufe alle meine Grundschnelligkeitsgene gnadenlos ab und erreiche das Ziel im 3:45 er- Schnitt,wenn auch nur für zweihundert Meter, nach 3:23:48, reisse die Arme in den Himmel ,und überquere überglücklich die Ziellinie. Ende ! Aus! Geschafft!


Ich war in Köln,aber dieses Mal war vieles anders als sonst.




Mit dieser Zeit von 3:23:48 Stunden wurde ich 55. in der M50 und 857 . in der Gesamtwertung .Natürlich kommen dabei immer wieder Spekulationen darüber bei mir auf,wie es wäre,absolvierte ich ein für mich leistungsadäquates Marathontraining . Eine Topten-Platzierung in der Alterklasse wäre auch bei einer Altersklassenstärke von 650 Teilnehmern alles andere als illusorisch ,sondern machbar. Aber es bleibt dabei,ich werde nicht mehr ambitioniert trainieren.


Diesen Lauf habe ich übrigens mit einem wöchentlichen Aufwand von 3 Trainingseinheiten vorbereitet. Exemplarisch sah eine Woche wie folgt aus:


Mon .: 12 Kilometer schnell ( Intervall oder Tempodauerlauf)


Mit.: 12 Kilometer lock. D.-Lauf



Sam.: 26 bis 28 Kilometer ruhig




Vielen Dank für`s Lesen,


Euer Achim (Toprun) Viol



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Deja-vu bei Km 9


  Die "10000" - Meter von Immenstadt am 8.6. 2008


Um es vorweg zu nehmen: Meine erreichte Endzeit beim 10000 Meterlauf in Immenstadt betrug 43:08 Minuten.
"Wie so langsam?Was ist nun los mit dem Toprun?Geht er jetzt wirklich nur noch "spazieren" ?!" wird sich so mancher Leser jetzt fragen.

Schnell gebe ich Entwarnung und möchte hierdurch klar stellen,dass sich einige Unannehmlichkeiten und Tücken in dieser ,von der LG Immenstadt angebotenen Laufstrecke,breit machten und so ein schnelleres Vorwärtskommen erschwerten.

Im Rahmen des Illermarathon starteten die Läufer des 10000Meterlaufes nach dem Start der Halb-und Marathonis.

Es war um halb Zehn Uhr in der Früh,ich fühlte mich gut und ein nicht zu hörender Startschuss machte uns trotzdem allen begreiflich,dass wir nun dran waren.

Aus dem Stadion heraus ging es sofort recht steil auf den Illerdamm,der erste Kilometer lernte mich nach 3:50 Minuten kennen,und er war wohl auch der einzige von den Zehnen ,der hielt,was er versprach,nämlich 1000 Meter lang zu sein.

Ich fühlte mich recht gut,gab weiter Gas,das Wetter war wohl auch so wie ich es mir vorstellte,bewölkt,windstill und kühl,doch der 2. Kilometer liess nun schon länger auf sich und mich und all die Anderen warten.
Nach 8 Minuten hatte ich die "2" im Sack und mir war klar,dass ich mich mal wieder auf zu übergewichtige Kilometer,was die Länge anging,einstellen musste.
Nun ist es schon seit Jahren so,dass die angebotenen Laufstrecken der LG Immenstadt,zu lang vermessen sind,dass es immer wieder eine grosse Überwindung ist,sich im Wettkampf damit auseinander zu setzen,dass man zuerst immer mit sich hadert,man nicht an seine Leistung glaubt,und so immer wieder in die Versuchung kommt,zu überpacen,weil die Zwischenzeiten halt nicht stimmen.
Viele einheimische Läufer und auch ich wissen im Regelfall aber mittlerweile,wie man mit einem solchem hiesigem "Phänomen " umzugehen hat,indem es heisst: Ruhe  bewahren!Du kannst gegen die Zeit laufen ,aber nur sehr schwer gegen die Kilometer......

So erreichte ich,ohne mich grossartig über die Kilometrierung aufzuregen, Kilometer 5  "schon" nach 20:35 Minuten.

Es folgte ein Treppenaufstieg ,der uns Läufer auf eine Illerbrücke brachte;weiter im Lauf ging es von nun an auf der anderen Seite des Flusses.

Die Strecke zeigte sich nun von ihrer garstigen Seite,es galt crossähnliche Passagen zu überwinden ,die mit halbfussballgrossen  Kieseln,Matsch und Schmier alles zu bieten hatte,was der Läufer  in einem "10er" nicht gebrauchen kann.

Bei Kilometer 9 wusste ich,ich werde für die ca. 10,4 Kilometer lange Strecke eine 41er Zeit benötigen,lief jetzt fast am Limit hinter einem Läufer her,der, nachdem wir unter einer Brücke hindurch kamen,den steilen Aufstieg auf die nachfolgend, beginnende Strasse gerade gemeistert hatte,als er scharf nach rechts abbog.

Ich schaute,stutzte,sah  aber dann auch den Holzspanpfeil auf dem Teer ,der nach rechts zeigte und rannte meinem "Pacemaker" im 360° -Bogen  hinterher.

Nun befanden wir uns mitten auf der Illerbrücke,das Ziel konnte nicht mehr weit sein,alles schien klar.....

Wild gestikulierend ,schreiend riss uns ein Passant aus unseren Zielträumen.Wir verharrten,und vernahmen so etwas wie: "Hier seit ihr nicht richtig,ihr müsst wieder zurück auf den Illerdamm".
Ein eiskalter Schauer durchfuhr meinen ganzen Körper;nun war es mir passiert,ich habe mich verlaufen,in einem Wettkampf,ich war wie erstarrt,drehte um,kam allmählich wieder in einen Laufschritt,der schneller wurde,bog rechts mit meinem Widersacher ,der es  schon lange nicht mehr war, Richtung Illerdamm ab,weil wir ja von "links" kamen.
Wieder waren Rufe zu hören,die uns unmissverständlich deutlich machten,dass wir  wieder auf die andere Seite der Brücke  müssten,um den eben passierten Spänepfeil wieder zu erreichen und dann geradeaus weiterlaufen.
Wir zischten nochmal am gleichen Pfeil vorbei,der uns eben noch in die Irre führte,ohne ihn auch nur mit einem kleinsten Seitenblick zu beachten, nun endgültig hin zum Stadion .
Mittlerweile hatten sich 5,6 oder sogar 7 Läufer vor uns platziert,weil wir ja ca. 300 Meter auf dieser  "Seufzer"- Brücke verbrachten.

So erreichte ich das Ziel nach ca. 10700 Metern in der oben erwähnten Zeit.

Nun ja,Alles in Allem bin ich mit mit meiner Leistung bei diesem Wettkampf zufrieden,auch weil ich weiterhin nur auf Freizeitlevelniveau trainiere.
Nicht zufrieden kann ich mit der Ausschilderung der Strecke in jeder Hinsicht  sein,dabei liegt so Einiges im Argen.

Auch im ausgeschriebenen Marathon und Halbmarathon kam es zu realen Distanzen von 23 bzw. 44 Kilometern.



Wie oft träumte ich als aktiver ambitionierter Wettkämpfer nachts davon,mich in einem Rennen zu verlaufen,manchmal wachte ich danach schweissgebadet auf,nachdem ich so weit vorne lag und mich genau diese "Verhauer" weit nach hinten warfen.
Ist es nicht schön,wenn man keine Zeitambitionen mehr hat und man erschaudert nur kurz,wenn es nicht im Traum passiert,was passiert,nämlich das man sich verläuft,man sich in den Hintern kneift und lächelnd feststellt:Es ist kein Traum!


Und bescheiden wie ich bin,kommt das Wichtigste zuletzt:Nun bin ich sogar Stadtmeister im 10000 Meterlauf von Immenstadt!

Nun,wenn das nichts ist.......???!!!

;-);-);-)


Vielen Dank fürs Lesen,


Derachim




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Die Zeit wird kommen


Samstag,der 8.3.2008


Wenn ich so hinausschaue in die Allgäuer Bergwelt,die hier überall gegenwärtig ist, will das,was man Marathonstimmung nennt, noch nicht recht aufkommen.
Überall blitzt und glitzert es noch Weiss rundherum,oben und unten;der Winter ,er gab sich die grosse Ehre nun doch noch im Allgäu zu gastieren und sich sogar zu etablieren.

Aber was nützt es ,die paar Kilometer,die ich mir zur Vorbereitung auf den Hamburgmarathon am 27.4. vornahm, werden von mir trotzdem unter die Laufschuhsohlen genommen.

 Eine typische exemplarische Trainingswoche im Zuge der Marathonkernvorbereitung für dieses Event sieht in etwa so aus:

Montags: zügiger Dauerlauf über 10 Kilometer (ca. 85-88%der Hf max.) in 42 bis 44 Minuten+ 1 kilometer ein-und auslaufen.

Mittwochs: ruh. Dauerlauf über 12 Kilometer in ca. 57 bis 58 Minuten (Hf.: ~ 75%)

Samstags: 26 - 28 Kilometer ruhiger Dauerlauf (Tempo~5:00-5:05 Minuten pro Kilometer)


Wiederum ist dieser "Aufbau" ,bezogen auf Kilometer und Intensität,ein stark abgespecktes Programm,dass mich natürlich im Wettkampf nicht annähernd an eine mir sonst mögliche Zielzeit bringt.Dennoch möchte ich in Hamburg mit diesem Minimalaufbau eine Zeit zwischen 3:20 - 3:30 Stunden im Schongang erreichen.
Der Laufgenuss,nicht eine mögliche Zielzeit,soll im Vordergrund stehen.

In diesem Sinne bin ich nun doch freudiger Erwartung auf ein Laufevent,dass ich mit allen Sinnen geniessen werde,denn die Zeit vergeht,und je mehr sie jetzt vergeht,desto mehr bringt sie mich an mein Ziel,an die Startlinie des Hamburg Marathon.

Und ich weiss,die Zeit wird kommen.....


Herzlichst,
Achim

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Hamburg - Marathon : 27.4.2008

 

Mythos in Blau

 

Am 25.4. reiste ich in Hamburg an.Wie immer vor einem Wettkampf dieses Ausmasses war ich innerlich angespannt,euphorisch,erregt,aber nicht nervös.

Was hatte ich denn auch zu verlieren?! Eine Bestzeit stand nicht auf der Bestellung meiner Erwartungen.Ich wollte wieder nur einmal saugen : Athmosphäre,Menschen,Stadt,Athleten,Bauwerke,Laufstrecke (inkl. Blue Line) und nicht zuletzt den Marathonwettkampf.

Dies alles sollten die Zutaten für ein gelunges Marathonwochenende in Hamburg sein.

Mein ausgewähltes Hotel ,namens Alsterblick ,befand sich ziemlich genau am Km 18 der Wettkampfstrecke,parallel zum östlichen Alsterstrand gelegen.

Als ich spätabends in meinem Domizil ankam , versäumte ich es nicht, nach dem Einchecken wieder hinaus auf die Strasse zu gehen.Das geschah nicht ohne Grund: Ich wollte mir halt die Blue Line im Dunklen anschauen.

Ein Schwarm Autos liess mich für eine Minute nicht zum Ziel meiner Begierde gelangen,dann jedoch nutzte ich eine kurze autofreie Phase und begab mich zu dieser Linie,die sogar jetzt,in der tiefen hanseatischen Dunkelheit,ein kräftiges Blau abstrahlte,zumindest empfand ich es so.

Ich wusste,dass meine Augen anfingen zu glänzen,vielleicht war sogar Feuer in ihnen.

Es ist diese magische ,in blau auf den Asphalt gemalte Linie,die die kürzeste Verbindung bei einem Marathon vom Start zum Ziel weist.Es ist die Ideallinie.Nur wer sich an sie hält,kann sicher sein,auch wirklich 42,195 Kilometer gelaufen zu sein und nicht mehr.

Ich sah Lichtkegel in der näheren Ferne,die sich mir schnell näherten und verschwand schnell wieder ins Hotel.

Am nächsten Tag machte ich einen Spaziergang zu den Messehallen,um dort meine Startunterlagen in Empfang zu nehmen.Immer wieder kam ich auf meinem Weg mit "meiner" blauen Linie in Berührung.Fast schon verliebt,jedes Mal ehrfürchtig auf den Asphalt schauend,wenn ich sie sah,übersah ich fast Jungfernstieg,Binnenalster ,Michel,Landungsbrücken,Fernsehturm und all die anderen grossartigen Sehenswürdigkeiten,die diese liebenswerte Stadt zu bieten hat.

Der Rest des Tages diente dazu, Entspannung zu finden und die letzten erforderlichen Kohlenhydrate in den dazu bestimmten Körperspeichern zu platzieren.

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Der Tag ist da!

Es ist Marathon,ich sitze beim Frühstück im Hotel direkt am Fester,weil ich der erste bin und geniesse den Blick auf die Aussenalster.Im Vordergrund verläuft der Schwanenwik mit dieser für mich so imposanten Linie,die sich in der Morgensonne im kräftigsten Blau präsentiert und mich jetzt spätestens in Marathonstimmung kommen lässt.

Mit der U-Bahn erreiche ich Sankt Pauli und somit das Startgelände.Auch hier bin ich früh,es herrscht schon ein reges Treiben,aber die typische Vorstartmarathonhektik fällt noch aus.

Nachdem ich meinen Kleiderbeutel abgegeben habe,rekel ich mich in der Sonne herum,auf einer Gerüsteplattform,die als "Sitzplatz" dient,um meine Beine so lange wie möglich zu schonen.

Ja,die Sonne,sie scheint nicht zu knapp,auch jetzt schon ;man sagte 22 ° C voraus,aber ich hadere nicht,obwohl ich weiss,dass ich das nicht gut finde und obwohl ich weiss,dass ich nicht am Limit laufen werde,weil die Zeit der Bestzeitensafaris für mich endgültig abgelaufen ist.

Trotzdem stört mich natürlich das "gute" Wetter,weil sich der Körper noch nicht an diesen wärmsten Tag des laufenden Jahres anpassen konnte.Als ich mein heimatliches Allgäuer Domizil vorgestern verliess, gab`s vorm Haus noch einen "Minigletscher",der auf ein schneereiches Frühjahr schliessen liess und ich fand es schon bei der Abfahrt recht eigenartig,in wenigen Tagen in Hamburg einen Wärmemarathon laufen zu müssen,den der Wetterbericht so sicher prognostizierte.

Noch 40 Minuten! Ich kann nicht mehr,ich muss hier weg,ich brauche meine Box,wie ein Windhund,den genau diese an einem Frühstart hindert,in ihrem schwer zu bremsenden Expansionsdrang.

Nach dem Einchecken walke ich ein paar Runden in meiner Startbox,lausche der dröhnenden Musik,den Durchsagen ,schaue in viele Gesichter der hinter den Absperrungen stehenden Zuschauer.Ich spüre ihr Interesse,ihre Bewunderung für die,die sich dieser Herausforderung stellen.

Die live gesungene Nationalhymne ertönt und jeder weiss,jetzt wird es bald soweit sein,das Startfieber ist in allen und wird unbändig erlösend durch das Ertönen einer Schiffsglocke gesenkt.

Die Fahrt kann beginnen,die Reeperbahn nimmt alle Athleten in ihre noch unverdorbenen Arme und beherbergt sie auf den ersten Kilometern,ohne auch nur einen einzigen zu Bewegungen animieren zu müssen.

Frenetisch klatschende und jaulende Zuschauer machen die ersten Kilometer zum Genuss,man kann eigentlich fliegen,auch wenn man jetzt daran denken würde, keine Flügel zu haben.

Ich fühle mich mit meinem 4:45- Schnitt recht wohl,muss mich aber immer wieder bremsen,nicht doch schneller zu laufen.

Nach fünf Kilometern kommt dann doch ein böses Erwachen:Sie sind nach gut 23 Minuten erreicht,und das ist in Anbetracht der bevorstehenden hohen Temperaturen zu schnell.Ich weiss sehr wohl,dass ich, wenn ich weiter so schnell laufen werde,Probleme in der 2. Hälfte bekomme.

Die Landungsbrücken beherbergen wie jedes Jahr in Hamburg die grössten Zuschauermengen der gesamten Strecke,und ich lasse mich weiter verleiten,passiere Kilometer 10 nach 46 Minuten.

Und ich weiss nur eins:Ich bin heute ein guter Zitronenhändler,aber kein guter Marathonläufer.Und so beschliesse ich, jetzt genau diesen temporären Zustand der grenzenlosen Leichtigkeit zu geniessen,ihn zu leben,ihn auszuleben,ihn in einer,in meinem tiefsten Inneren,Marathonorgie verkommen zu lassen,in der ich alle Fünfe gerade sein lasse,nicht darauf hindenkend,was danach kommt,oder wie schlecht es mir später vielleicht gehen wird;und vor allem:Irgendwie habe ich ja keinen richtigen Marathonstress mehr;und  das geniesse ich.

Ich geniesse das Jetzt und nicht das Gleich,ich will Marathonvöllerei ,ich lasse mich treiben,fliege weiter über die Blue Line,die ich immer wieder suche,um den geringsten Widerstand in Bezug auf die Streckenlänge zu bekommen........

......sich auf ihr fortzubewegen ist , wie die Benutzung einer flachen blauen Leiter ohne Sprossen,die mir ,und nicht nur mir,den Weg in den Läuferhimmel weisst,dem Ziel.

Wieviel Schweiss wurde auf ihr vergossen,wieviel Tränen flossen,wenn es Dramen gab,die Muskulatur nicht mehr wollte.Wieviele Paare glücklicher Augen rasten über sie hinweg,weil alles perfekt lief.
Sie war und ist der Wegweiser für Langsame,Schnelle,für Dicke und Dünne,Schlaue,Reiche,Arme,Schöne und Hässliche.
Allen wies sie den Weg,den Weg ins Ziel,dem so begehrten: Die Blaue Linie,sie macht da keinen Unterschied,auf ihr sind alle gleich.

Ich rase an der Halbmarathonmarke vorbei,beim Blick zur Uhr musste ich wieder einmal schlucken:1:38 ! Das konnte nicht gut gehen,nicht zuletzt, weil nun die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel schien.Bestimmt wird dieser heisse Planet so manchen Läuferhimmel etwas verhangener erscheinen lassen;wohl auch meinen.....?!

Die 800000 an der Strecke verhalten sich eher ruhig.Man schaut zwar zu,ist anwesend,aber die Stimmung,so wie ich sie aus Köln kenne,ist nicht vorhanden.Auch Musikeinlagen sind unterwegs kaum vorhanden.So manch einen stört das ja,mich hingegen törnt ein wenig Remmidemmi eher an;ich gehe sogar noch weiter und behaupte: Ich brauche das beim Marathonlaufen!

An der 30-Kilometer Marke fang ich,wie vermutet an,den Marathon nicht mehr zu laufen ,sondern zu kämpfen.Bis hierher kann den angestrebten 4:45er Schnitt jedoch recht bequem halten.

In Hamburg`s Norden geht`s endlich zurück Richtung Ziel in der Glacischaussee,mein Lauf ist nicht mehr rund,meine Beine werden schwerer,auch der starre Blick auf die Blue Line lässt weniger Freude aufkommen,als noch kurz zuvor .

Nach 34 Kilometern fangen die Kilometer an,sich in Kaugummis zu verwandeln;sie werden endlos und ziehen sich wie so häufig in dieser Phase eines Marathonrennens.

Ich arbeite mich weiter vor,mein Laufstil ist auf der Bewertungsskala am unteren Ende angekommen,und was am schlimmsten ist:Ich kann keinen 5er-Schnitt mehr halten!

Was soll`s,ich befinde mich 4 Kilometer vor dem Ziel und stelle selbstmitleidig fest:Bei Km 38 hört dich niemand schreien! So lange war ich auf sub 3:20 Kurs,nun geht`s dahin,die Sekunden,die eben noch so lange Sekunden blieben,werden nun so rasch zu Minuten.Jede Bewegung wird langsamer,tut weh,macht wenig Spass.

Was jetzt noch zählt,ist das Erreichen des Ziels,sonst tritt alles in den Hintergrund,Zwischenzeiten auf dem Weg dahin interessieren nicht mehr wirklich,bzw. werden gar nicht mehr ermittelt.

Nun ist er da,der Kilometer 40,das Ziel ist so nah.Ich höre die Hubschrauber,aber weiss auch,dass eine 1,5 Kilometer lange Steigung vor mir liegt,die jeden einzelnen,der auf dem danach folgenden 600 Meter langen ,aber flachen Zieleinlauf-Catwalk seine persönliche Finisher-Feier erleben möchte,noch einmal an seine Grenzen bringen wird.

Die Steigung nimmt kein Ende,ich fluche in mich hinein,kämpfe mit Seitenstichen und weiterhin mit meiner speziellen Freundin,der Sonne;aber es kann nun nicht mehr weit sein.....!!!!

Die seichte Steigung verliert sich in eine flache und breite,an den Seiten mit Werbebanden ausgestattete Lauffläche.Meine Blue Line sehe ich nicht mehr;wozu auch,denn in der Ferne erkenne ich den Zielaufbau;nur ein Thor fände hier nicht die Ideallinie.

Die Zuschauer toben und ich versuche zu tanzen,springe hoch,bekomme dabei einen Krampf in beiden Hamstrings,renne weiter,trotzig,glücklich,,klatsche denen Beifall,die auch mir zujubeln,möchte alle umarmen,schaffe das aber nur bei einer und laufe schliesslich über zwei rote Matten,die mir mit einem freudigen Piepsen und nur für mich hörbar verkünden:Du bist im Ziel,Toprun,Du hast es geschafft;wieder einmal!Und jetzt sei stolz auf Dich;bis zum nächsten Mal denn........

 

 

 

"Mein Sekt ist alle,oder hat das Glas nur ein Loch?!Bist Du noch mal so gut....!?" Ich rekel mich am Sandstrand von Övelgönne,glückgeschwängert,halte mein Sektglas hin zu Angela,die neben mir liegt,und trinke ein paar weitere Schlucke,schaue den Schiffen zu,lasse mich von dem Einstzen der Flut belustigen,weil sie das Wasser immer näher an unsere Füsse spült.

Gibt es was schöneres ,als nach einem Marathon zu leben...?! Oh ja,es gibt ein Leben nach dem Marathon...............................................................

 

Und wer es wissen will: 3:21 Stunden war mein Resultat bei diesem Wettkampf und darauf bin ich sogar ein wenig stolz,erreichte ich dieses doch bei wohl eher schlechteren Bedingungen und einem Jogger-und Hobbylauf-Programm in der Vorbereitung,bei dem ich nie mehr als 3 Einheiten pro Woche absolvierte.

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